Das Gesundheitssystem steht durch die Grippewelle ordentlich unter Druck. Wie "20 Minuten" berichtet, halten die Symptome bei vielen Erkrankten über 20 Tage an. Die aggressive Variante K des Influenzavirus macht die heurige Saison noch heftiger. Gleichzeitig nehmen auch die RSV-Infektionen weiter zu.
In Italien sind die Notaufnahmen vieler Spitäler komplett überfüllt. Patientinnen und Patienten müssen auf Tragbahren warten, bis ein Bett frei wird. Auch der Rettungsdienst 118 kommt an seine Grenzen. Alessandro Riccardi, Präsident der italienischen Notfallmedizin-Gesellschaft, spricht von einem massiven Anstieg bei den Einweisungen. Besonders betroffen sind ältere und geschwächte Leute. Das sogenannte "Boarding", also das lange Verbleiben auf der Trage, ist deutlich öfter zu sehen als sonst.
Matteo Bassetti, Infektiologe vom Universitätsspital San Martino in Genua, warnt: Für Risikopatienten kann die Lage richtig gefährlich werden. Wenn starke Brustschmerzen oder Atemnot auftreten, soll man sofort ins Spital fahren. Die Mischung aus Influenza K, H3N2 und H1N1 sei "explosiv" – Bassetti spricht sogar von einem "Tsunami" aus Viren und Bakterien.
Die Subvariante K breitet sich laut dem italienischen Gesundheitsinstitut besonders schnell aus. Mittlerweile dominiert sie auch in den USA die Saison. In New York gab es zuletzt so viele Grippefälle und Spitalseinweisungen wie noch nie.
Auch bei uns in der Schweiz rechnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit weiter steigenden Zahlen. Der aktuelle Rückgang ist laut BAG nur auf Meldeverzögerungen durch die Feiertage zurückzuführen. Besonders viele Infektionen gibt es derzeit in Schaffhausen, Basel-Stadt und im Jura. Am wenigsten betroffen sind Appenzell Ausserrhoden, Obwalden und Uri.
Neben Influenza A(H1N1)pdm09 und A(H3N2) zirkuliert laut BAG auch die Subklade K. Sie wurde durch Sequenzierungen in der Schweiz nachgewiesen. Bis jetzt gibt es aber keine Hinweise, dass diese Variante schwerere Verläufe verursacht.
Die Viruslast von RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) steigt laut Abwasseranalysen weiter an. Die aktuelle Situation erinnert stark an den letzten Winter. Corona-Infektionen bewegen sich momentan etwa auf dem Niveau des Vorjahres.
Wegen der heftigen Grippewelle fordert der Genfer SP-Nationalrat Christian Dandrès, dass die Pflicht zum Arztzeugnis bei kurzen Krankheiten abgeschafft wird. Ärztinnen und Ärzte sollen sich laut Dandrès auf schwerere Fälle konzentrieren können. Unterstützung bekommt er vom Ärzteverband FMH. Präsidentin Yvonne Gilli meint, viele Atteste hätten keinen medizinischen Nutzen und würden die Engpässe bei Hausärzten verschärfen.
Der Arbeitgeberverband ist gegen eine gesetzliche Regelung. Sprecherin Daniella Lützelschwab spricht sich für betriebsinterne Lösungen aus. In Ausnahmefällen soll es aber weiterhin möglich sein, ab dem ersten Krankheitstag ein Attest zu verlangen. FDP-Nationalrätin Bettina Balmer ergänzt, Atteste könnten digital rasch erstellt werden und Arbeitgeber hätten ein Recht auf Bestätigung.