Ein schwerer Missbrauchsfall erschüttert den US-Turnsport. Der frühere Nachwuchstrainer Sean Gardner ist wegen der Herstellung von Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs zu insgesamt 90 Jahren Haft verurteilt worden. Eine Bundesrichterin verhängte in drei Anklagepunkten jeweils die Höchststrafe von 30 Jahren.
Der 39-Jährige hatte sich zuvor schuldig bekannt. Zwischen Dezember 2017 und April 2018 installierte er in einem Turnzentrum im Bundesstaat Mississippi eine versteckte Kamera auf einer Toilette. Damit fertigte er heimlich Aufnahmen von mindestens zehn minderjährigen Turnerinnen beim Umziehen oder unbekleidet an.
Entdeckt wurde das Material erst Jahre später. Ermittler stießen auf die Aufnahmen auf Gardners Computern, nachdem gegen den ehemaligen Trainer im Bundesstaat Iowa weitere Missbrauchsvorwürfe erhoben worden waren.
Besonders brisant: Gardner arbeitete in Iowa an einer angesehenen Nachwuchsakademie. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP sollen Verantwortliche dort von Vorwürfen gegen ihn gewusst haben, ohne zunächst einzugreifen. Mehrere ehemalige Turnerinnen werfen dem Trainer zudem vor, seine Machtposition ausgenutzt zu haben. Wegen dieser weiteren Anschuldigungen wurde er bislang nicht angeklagt.
Der Fall hat auch juristische Folgen über das Strafverfahren hinaus. Gegen Gardner, den US-Turnverband USA Gymnastics und seinen früheren Arbeitgeber laufen mehrere Zivilklagen. Gleichzeitig wächst die Kritik am Umgang mit Missbrauchsvorwürfen im amerikanischen Nachwuchssport.