Die Lage spitzt sich dramatisch zu: Die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Öl-Routen der Welt, ist de facto dicht. Rund 20 Prozent des globalen Öl- und Gas-Handels laufen normalerweise durch diese Meerenge – jetzt steht der Verkehr still.
Eine Analyse von JP Morgan zeigt, wie schnell die Folgen weltweit spürbar werden. Bereits unterwegs befindliche Tanker können die Versorgung nur noch kurz aufrechterhalten. Danach droht ein gestaffelter Versorgungs-Schock.
Asien trifft es der Analyse zufolge zuerst und am härtesten. Schon ab 1. April könnten dort die meisten Lieferungen ausbleiben. Länder wie China und Indien sind massiv abhängig. Rund 90 Prozent der Hormus-Exporte gehen dorthin. Erste Staaten reagieren bereits mit Sparmaßnahmen, etwa verkürzten Arbeitswochen.
Europa folgt wenige Tage später. Ab etwa 10. April wird es kritisch. Besonders heikel ist die Lage beim Diesel: Rund ein Drittel der Importe stammt aus dem Nahen Osten. Das könnte Transport, Landwirtschaft und Heizen empfindlich treffen. Ab diesem Tag könnten die Lieferungen schrittweise zurückgehen. Schon Ende April etwa könnte es in Deutschland zu einem tatsächlichen Engpass bei Benzin und Diesel kommen.

In Nordamerika bleibt etwas mehr Zeit. Hier dürften die Auswirkungen ab Mitte April voll durchschlagen. Australien bildet das Schlusslicht - dort reißen die Lieferketten voraussichtlich erst gegen 20. April ab.
Noch brisanter ist die Lage bei raffinierten Produkten. Weltweit fehlen bereits Millionen Barrel täglich. Besonders knapp sind Diesel, Kerosin und Naphtha – wichtige Stoffe für Industrie, Flugverkehr und Chemie. Erste Flugausfälle und steigende Preise sind bereits Realität.
Die Ölpreise reagieren prompt: Die Sorte Brent ist zuletzt über 100 Dollar je Barrel gestiegen. Experten warnen vor weiteren Sprüngen, sollte die Route länger blockiert bleiben.
Selbst bei einer raschen Entspannung dürfte der Schaden bleiben. Lieferketten sind unterbrochen, Lager laufen leer oder über. Die Welt steuert auf eine Energie-Krise in Etappen zu – beginnend in Asien und mit voller Wucht auch bei uns.