Abhör-Mythos: Belauschen uns unsere Handys wirklich?

Kaum hat man mit jemandem über etwas gesprochen, schon erscheint eine Werbung genau dafür auf dem Handy. Werden wir von unseren Handy abgehört? (Symbolbild)
Kaum hat man mit jemandem über etwas gesprochen, schon erscheint eine Werbung genau dafür auf dem Handy. Werden wir von unseren Handy abgehört? (Symbolbild)Getty Images/iStockphoto
Kaum hat man mit jemandem über etwas gesprochen, schon erscheint eine Werbung genau dafür auf dem Handy. Werden wir von unseren Smartphones abgehört?

Den Verdacht haben wohl viele schon einmal gehegt: Man spricht über ein bestimmtes Produkt oder ein Reiseziel und wenige Stunden später zeigen uns Instagram, Facebook, Amazon und Co. Werbung für genau das Produkt oder Hotels an genau dieser Destination an. Die Frage liegt also nahe: 

 Hören uns unsere Handys ab? Müssen wir vorsichtig damit sein, was wir in Anwesenheit unserer Smartphones laut äußern?

Die kurze Antwort darauf ist: Nein. Handys hören uns nicht beim Reden zu. Das müssen sie aber auch gar nicht, um uns Werbung anzuzeigen, die unheimlich nahe daran ist, woran wir gerade interessiert sind. Denn die Informationen haben Websites wie Facebook und Instagram schon längst, ohne sich irgendwelcher Spionage-Software bedienen zu müssen.

So kann es gehen

Wie dies funktioniert, zeigt der Privatsphäre-Advokat und Twitter-User Robert G. Reeve im Detail auf. In einem Tweet beschreibt er, dass er gerade eine Woche im Haus seiner Mutter verbracht habe. Dabei habe ihm sein Handy plötzlich Werbung für die Zahnpasta-Marke seiner Mutter angezeigt. "Wir haben nie über die Marke gesprochen oder danach gegoogelt", versichert Reeve. Dennoch hat er eine Erklärung dafür.

Die Annahme, dass Social-Media-Apps wie Instagram oder Facebook ihre Nutzer abhören, sei nicht wahr, so Reeve. Auch missbrauchen sie die Kamera des Handys nicht dazu, heimlich die Umgebung ihrer User zu filmen. Viel eher machen sie sich jene Informationen zunutze, die sie bereits haben.

Verbundene Accounts

Social-Media-Apps sammeln nämlich alle möglichen Daten über ihre Nutzer wie beispielsweise die ID des Geräts, GPS-Daten und alle möglichen persönlichen Informationen wie Alter, Geschlecht, Hobbies, Interessen, etc. Diese Informationen stammen nicht nur von den Daten, die wir selbst bewusst in unsere Smartphones eingeben, sondern beispielsweise auch von Rabatt- oder Bonus-Karten, die wir im Supermarkt benutzen oder von Käufen, die wir über Amazon, Ebay oder andere Shops tätigen.

Reeve erklärt, dass so beispielsweise die wöchentlichen Einkäufe im Supermarkt mit der Aktivität des Twitter-Accounts verbunden werden können, da man die private E-Mail-Adresse und Telefonnummer bei beiden Unternehmen registriert hat und den Nutzerbestimmungen zugestimmt hat, laut welchen die Unternehmen die gesammelten Informationen teilen dürfen.

Mit anderen Handys verbunden

Das erklärt aber noch nicht, weshalb Reeves plötzlich Werbung für die Zahnpasta-Marke seiner Mutter angezeigt bekommen hat. Um zu verstehen, wieso dies geschehen ist, muss man wissen, dass Handys, die sich häufig in der Nähe von anderen Smartphones befinden, diese wiedererkennen. 

 Daher wissen Handys genau, mit welchen Personen man häufig Kontakt hat.

Dies ermöglicht es Werbern wiederum, zu erkennen, welche Interessen die Personen im Umfeld eines Handy-Besitzers haben. Aufgrund dieser Informationen ist es gut möglich, dass uns Werbung angezeigt wird, die zwar nicht direkt auf uns zutrifft, von der der Werber aber annimmt, dass die Personen, mit welchen wir häufig zu tun haben, Interesse daran haben könnten. 

"Mein Handy musste mich also gar nicht abhören, um mir Werbung für die Zahnpasta meiner Mutter zu zeigen. Es vergleicht nur zusammengefasste Metadaten", so Reeve.

Was kann man dagegen tun?

Wer absolut keine Daten und Informationen mit Unternehmen teilen möchte, der sollte seine Finger wohl am besten ganz von Smartphones und Social Media lassen. Für alle anderen gibt es aber einige Dinge, die unternommen werden können, um eine stärkere Kontrolle darüber zu behalten, was mit wem geteilt wird.

➤ So lohnt es sich beispielsweise auf Websites oder in Apps nicht automatisch "annehmen" zu klicken, wenn nach der Erlaubnis für Cookies gefragt wird. Denn oft kann man dort individuell auswählen, welche Informationen man genau teilen möchte und welche nicht.

➤ Außerdem rät "The Sun", sich nicht überall automatisch mit Login-Daten von Social Media einzuloggen. Hat man die Auswahl, sich mit einem Facebook-Login oder der E-Mail-Adresse zu registrieren, kann es sinnvoll sein, die E-Mail-Adresse zu wählen – gegebenenfalls umso mehr, wenn es sich dabei um eine anonyme Zweit-Adresse handelt.

Einwilligungen geben

Einige Einwilligungen müssen natürlich nach wie vor gegeben werden. So macht es Sinn, WhatsApp den Zugriff auf das Mikrofon zu erlauben, da Sprachanrufe ansonsten nicht möglich sind, oder Instagram zu erlauben, die Kamera des Handys zu benutzen, da ohne sie keine Stories in der App aufgenommen werden können.

 Hellhöriger sollte man aber werden, wenn Apps nach Erlaubnissen fragen, für die es auf den ersten Blick keinen wirklichen Grund gibt.

So kann es beispielsweise sein, dass die neueste Game-App Zugriff auf Kamera, Kontaktliste und das Clipboard möchte, dies für das Game selbst aber irrelevant ist. In diesem Fall lohnt es sich, zweimal hinzuschauen, welchen Dingen man zustimmt.

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