Néstor Lorenzo (60) dürfte zumindest einigen Fußballexperten bekannt sein. Der Argentinier verlor an der Seite von Diego Maradona das WM-Finale 1990 gegen die DFB-Auswahl (0:1), 16 Jahre später scheiterte er als Co-Trainer der Albiceleste erneut an Deutschland, diesmal im Viertelfinale (2:4 i.E.). Erst 2021 arbeitete Lorenzo erstmals als Chefcoach. Ein Jahr später übernahm er die Cafeteros, die er schon zuvor sieben Jahr als Assistent begleitet hatte. Beinahe hätte er 2024 gleich bei der Copa America den Titel geholt, im Finale unterlagen die Kolumbianer Lorenzos Heimatland.
"Einen Spieler wie ihn", sagte Jürgen Klopp einst über Luis Díaz, "habe ich noch nie trainiert." Bis zu 75 Millionen Euro hatte sich der FC Bayern den Linksaußen im vergangenen Sommer kosten lassen, und Díaz, dessen Transfer aus Liverpool nach München von einigen Zweifeln begleitet worden war, schlug voll ein. Der Spätstarter, der mit 18 noch spindeldürr war und nicht mal bei einem Profiklub spielte, stammt aus La Guajira, dem Armenhaus Kolumbiens. Sein Spielstil spiegle seine "Wurzeln" wider, sagte Díaz. Barfuß und auf holprigem Geläuf eiferte er seinem Vorbild Ronaldinho nach. Kolumbien setzt genau darauf.
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Darf sich Kolumbien wieder als Geheimfavorit bezeichnen? Der zweite Platz bei der Copa America 2024 gab den kolumbianischen Fans zumindest neues Selbstvertrauen, nachdem ihr Team 2018 in der WM-Gruppenphase ausgeschieden und 2022 das Turnier sogar verpasst hatte. Die Hoffnung, dass Kolumbien ein ähnlicher Lauf wie 2014 gelingt, als erst im Viertelfinale Schluss war, lebt. Die Mannschaft um den "ewigen" James Rodríguez genießt dazu fast einen Heimvorteil, mit zwei Gruppenspielen in Mexiko und einer Partie im lateinamerikanisch geprägten Miami.