Ronald Koeman setzt bei den Niederlanden wieder auf den klassischen "Totaalvoetbal". Der frühere Europameister führte das traditionsreiche 4-3-3-System zurück und will damit bei der WM den großen Coup schaffen. Im Mittelpunkt steht Kapitän Virgil van Dijk, der trotz kleinerer Schwächen noch immer als Abwehrchef unverzichtbar ist.
Schon zwischen 2018 und 2020 stand Ronald Koeman für sein Heimatland an der Seitenlinie, seit 2023 ist er zurück. Als aktiver Profi spielte der mittlerweile 63-Jährige für alle großen niederländischen Klubs, dazu lange für den FC Barcelona. Auch als Trainer ist er viel herumgekommen. 1988 feierte Koeman mit Oranje in Deutschland den EM-Titel, nach dem Halbfinal-Triumph gegen die DFB-Elf wischte er sich mit einem Trikot der Deutschen vor der Tribüne den Allerwertesten ab. 1990 dagegen schied er bei der WM in Italien gegen die späteren Weltmeister um Lothar Matthäus, Jürgen Klinsmann und Andreas Brehme im Achtelfinale aus.
Virgil van Dijk ist der unumstrittene Führungsspieler und Kapitän. Als Zielspieler ist er bei ruhenden Bällen extrem torgefährlich, die durchwachsene Saison beim FC Liverpool hat aber auch gezeigt: Der 34-Jährige ist nicht mehr so schnell wie früher. Neben dem Leuchtturm in der Abwehr stechen zudem Spielmacher und Toptorjäger Memphis Depay (Atletico Madrid), van Dijks Klubkollege Cody Gakpo sowie die Flügelspieler Tijjani Reijnders (AC Mailand) und der ehemalige Dortmunder Donyell Malen (Aston Villa) heraus. Der ehemalige Leipziger Xavi Simons fehlt mit einer schweren Knieverletzung.
"Totaalvoetbal" – jahrzehntelang war "der totale Fußball" die einzige in den Niederlanden akzeptierte Spielart. Die ganz großen Titel blieben trotzdem selten, zum WM-Triumph reichte es nie. Nachdem seine Vorgänger Frank de Boer und Louis van Gaal mit anderen Systemen experimentiert hatten (und gescheitert waren), hat Koeman das 4-3-3 zurückgebracht, aber neu interpretiert. Vor allem gegen defensive Gegner spielt die Niederlande damit erfolgreich, ist aber auch anfällig.