Nach Expertenkritik

AKH Wien stoppt Long-Covid-Ambulanz an der Psychiatrie

Nach scharfer Kritik am geplanten Behandlungskonzept kommt die Ambulanz nun doch nicht. Long Covid sei zu sehr mit Depressionen gleichgesetzt worden.
Wien Heute
17.02.2026, 20:50
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Die geplante Long-Covid-Ambulanz am Wiener AKH – "Heute" berichtete – kommt nun doch nicht. Wie das Krankenhaus nun mitteilte, wurde das Projekt an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie nicht genehmigt. Zuvor hatte es deutliche Kritik von Fachleuten gegeben.

AKH: Behandlung gehört in die somatische Medizin

In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es: "Der beantragten Errichtung einer Long-Covid-Ambulanz an der Univ. Klinik Psychiatrie und Psychotherapie wurde seitens der Direktion des AKH Wien nicht zugestimmt, weil die Behandlung und vor allem die Ersteinschätzung dieser Patient*innen primär dem Bereich der somatischen Medizin zuzuordnen ist".

Weiter betonte das AKH: "Unabhängig davon können Patienten und Patientinnen mit psychischer Symptomatik in der Allgemeinen Ambulanz der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie betreut werden."

Kritik am Behandlungskonzept

Zuvor hatte es scharfe Kritik an dem geplanten Konzept gegeben. Dieses basierte auf einem vierstufigen Modell, das ursprünglich bei therapieresistenten Depressionen eingesetzt wird – inklusive Phytotherapie, Antidepressiva, Psychopharmaka und in bestimmten Fällen auch Ketamin.

Der Psychiater Georg Schomerus vom Uni-Klinikum Leipzig zeigte sich irritiert: "Es gibt klinisch wirklich viele Unterschiede zur Depressivität", sagte er. Zudem warnte er vor einem problematischen Signal: Mit der Ansiedelung an der Psychiatrie könne der Eindruck entstehen, es handle sich bei Long Covid um eine psychische Erkrankung – und nicht um eine postinfektiöse immunologische Multisystemerkrankung.

"Absolut in der Somatik"

Auch die deutsche Psychologin und Psychotherapeutin Bettina Grande äußerte Bedenken. Long-Covid-Ambulanzen müssten in der Immunologie oder Neurologie angesiedelt sein, "meinetwegen in der Inneren Medizin. Aber absolut in der Somatik (Anm.: körperliche Medizin)."

Planungen liefen bereits

Interne Vorbereitungen dürften bereits fortgeschritten gewesen sein. Interessierte konnten sich auf eine Telefonliste setzen lassen. Auch Behandlungsversuche einer Gruppe rund um die Psychiaterin Lucie Bartova waren bereits Thema.

Nun ist aber klar: Eine Long-Covid-Ambulanz an der Psychiatrie des AKH wird es vorerst nicht geben.

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