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Das Kreuz mit den Kreuzen – Rainer-Schau im Stephansdom

Im Dezember ist Arnulf Rainer im Alter von 96 Jahren verstorben – nun sorgt eine Ausstellung seiner Werke im Wiener Stephansdom für Diskussionen.
Wien Heute
17.02.2026, 19:50
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Am 18. Dezember 2025 ist der berühmte Maler Arnulf Rainer im Alter von 96 Jahren verstorben. Obwohl der Künstler, der vor allem für seine Übermalungen international bekannt war, die Präsentation seiner Werke im Wiener Stephansdom ursprünglich widerrufen hatte, werden ab 18. Februar insgesamt 77 Kreuzarbeiten im und rund um den Dom gezeigt.

Darunter befinden sich 70 Kaltnadel-Radierungen aus den Jahren 1956 bis 2014. Die Schau läuft bis 7. Juni und trägt den Titel "Das Kreuz – Das Zeichen, das bleibt". Wie Dompfarrer Toni Faber bei einem Pressetermin erklärte, war der Ausstellung zunächst eine Zustimmung Rainers gefolgt – später jedoch ein Widerruf. Der Künstler habe betont, er wolle sich nicht vereinnahmen lassen.

Der Maler Arnulf Rainer starb im Dezember 2025.
APA-Images / STARPIX

Keine religiöse Vereinnahmung

Nach "etlichen Bemühungen" habe man sich dennoch entschieden, die Ausstellung wie geplant durchzuführen, so Faber. Es gehe nicht um eine religiöse Vereinnahmung, sondern um ein "Angebot zum Dialog über die existenzielle Dimension von Horizontalem und Vertikalem", die im Kreuz zum Ausdruck komme.

Rainer habe sich zeitlebens intensiv mit dem Kreuzmotiv beschäftigt, zugleich aber eine christliche Vereinnahmung seiner Kunst stets zurückgewiesen. "Das respektieren wir", betonte Faber. Der Künstler stellte mehrfach in Kirchen aus, wollte jedoch nie als "Kirchenmaler" gelten.

Dompfarrer Toni Faber eröffnete die Ausstellung.
Helmut Graf

Immer wieder Neues entdecken

Die Idee zur Ausstellung kam vom Unternehmer Werner Trenker, der über Jahre hinweg Kreuzarbeiten Rainers gesammelt hat. Rund 15 Jahre habe er gebraucht, um alle 70 Kaltnadel-Radierungen zu erwerben. Die Blätter wurden meist in Auflagen zwischen 20 und 35 Stück gedruckt. Erst vor etwa einem Jahr konnte Trenker seine Sammlung vervollständigen.

Ein frühes "Tabernakelkreuz" aus dem Jahr 1956 ist ebenfalls Teil der Ausstellung. Viele Druckplatten wurden vom Künstler mehrfach überarbeitet, übermalt und erneut bearbeitet. "Wenn Sie die Bilder genauer ansehen – die feinen Adern, jeder Strich, der perfekt gesetzt wurde und dann jahrelang überarbeitet worden ist – das ist etwas Besonderes", so Trenker. Man könne die Werke Jahre später erneut betrachten und immer wieder Neues entdecken.

Werke auf mehrere Orte verteilt

Die Werke verteilen sich auf mehrere Orte im Stephansdom sowie im benachbarten Curhaus. Laut Dombaumeister Wolfgang Zehetner sei es eine Herausforderung gewesen, die große Sammlung im stark geprägten historischen Raum zu positionieren.

In der Vierung führt eine leicht ansteigende Hängung zum mittelalterlichen Lettnerkreuz hin. So entstehe eine Gesamtwirkung, bei der "der historische Raum mit dem modernen Œuvre zusammenwachsen kann". Kleinere Formate sind in Nischen und in der Barbarakapelle zu sehen – dort "intim auf Augenhöhe", wie Faber erklärte. Weitere Arbeiten hängen im Stiegenaufgang und im ersten Stock des Curhauses.

Eröffnung mit Erzbischof

Faber habe schon als Schüler Rainers Werke geschätzt, später als Student übermalte Totenköpfe des Künstlers in einer Galerie gesehen. "Ich war so fasziniert, dass ich mir einige Plakate gekauft und sie in meinem Seminaristenzimmer aufgehängt habe", erzählte Faber. Fragen, ob er depressiv sei, habe er stets verneint: "Ich setze mich gern mit dem Tod auseinander." Seine Begeisterung für Rainer sei "eine Liebe seit Jahrzehnten".

Bei der offiziellen Eröffnung der Ausstellung am Dienstagabend waren neben Toni Faber, Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP), Erzbischof Josef Grünwidl und das Kunstsammler-Paar Werner Trenker und Sonja Zsolnai-Kasztler dabei.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 18.02.2026, 11:30, 17.02.2026, 19:50
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