Wie am Mittwoch bekannt wurde, plant das Domkapitel, 77 Kreuzdarstellungen von Arnulf Rainer (95) – darunter sieben Holzkreuze und zahlreiche Kaltnadelradierungen – von Mitte Februar bis Anfang April 2026 im Stephansdom zu präsentieren. Die Werke stammen aus der Sammlung Werner Trenker, kuratiert wird die Ausstellung von Pater Friedhelm Mennekes.
Doch Rainers Anwalt Alexander Pflaum sprach sich in einem Schreiben an Dompfarrer Toni Faber, den Sammler und den "ORF" entschieden gegen das Vorhaben aus. Rainer habe seine Werke "niemals in einen sakralen Zusammenhang gebracht".
Seine Kreuze hätten "nichts mit dem christlichen Symbol zu tun", sondern seien ein persönlicher Befreiungsschlag gewesen. Eine kirchliche Vereinnahmung lehne er ab – eine rechtliche Auseinandersetzung wolle er aber vermeiden.
Dompfarrer Faber zeigte sich gegenüber Ö1 "verwundert" über die Reaktion. Laut ihm sei die Ausstellung bereits vor einem Jahr mit Rainer abgesprochen worden. "Das wird uns aber nicht daran hindern, die Kreuze doch auszustellen", so Faber. Man wolle die Werke nicht vereinnahmen, sondern "die größere Perspektive" respektieren, die Rainer in der Kreuzform sehe.
Rainer, geboren in Baden bei Wien, zählt zu den bedeutendsten österreichischen Künstlern der Gegenwart. Seine expressiven Übermalungen und Kreuzdarstellungen gelten als zentrale Symbole seines Schaffens. Bereits in den 1950er-Jahren war er eng mit der "Galerie nächst St. Stephan" verbunden – einem wichtigen Ort der heimischen Avantgarde.