Langsame Fortschritte

Wiener baut jetzt Zentrum für ME/CFS-Patienten auf

In Wien soll ein neues Zentrum die Versorgung für Menschen mit Long Covid und ME/CFS verbessern. Jährlich sind 5.000 Behandlungen geplant.
Wien Heute
27.11.2025, 08:58
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Das sogenannte "Kompetenzzentrum für Postakute Infektionssyndrome Wien" soll 2027 in Betrieb gehen, und vor allem zentral angesiedelt werden. Der genaue Standort ist aber noch unklar, wie der Wiener Gesundheitsfonds mitteilt. "Eine Standortentscheidung sollte es noch dieses Jahr geben", sagt Projektleiter Otto Raffetseder im "Wien heute"-Interview.

Die Situation für Menschen mit postakuten Infektionssyndromen (PAIS) wird derweil immer schwieriger. Damit sind Beschwerden gemeint, die nach einer Infektion länger anhalten oder erst Wochen später auftreten.

Beispiele dafür sind Long Covid oder das Post-Epstein-Barr-Syndrom. Besonders schwer betroffen sind Menschen mit ME/CFS, einer Erkrankung, die vor allem durch extreme Erschöpfung auffällt. In Österreich leiden derzeit rund 70.000 bis 80.000 Menschen darunter.

Der Neurologe Michael Stingl aus dem 15. Bezirk hat sich auf diese Patientengruppe spezialisiert. Er behandelt etwa 50 ME/CFS-Betroffene pro Woche. Auch er sieht die Lage kritisch: "Ich merke es alleine an der Anzahl der Anrufe und E-Mails die kommen, obwohl auf meiner Homepage steht, dass ich einen Aufnahmestopp habe", sagt der Arzt. Die Leute seien laut Stingl "höchstgradig verzweifelt, weil sie einfach niemanden finden, der sich dieses Themas annimmt".

Kevin Thonhofer, der Obmann der Österreichischen Gesellschaft ME/CFS, schildert die Lage ähnlich: "Die Versorgung ist derzeit de facto im öffentlichen Bereich nicht vorhanden. Wir reden da von null Anlaufstellen. Wir sprechen eigentlich von einer humanitären Versorgungskrise im eigenen Land."

Das geplante Zentrum für Long-Covid- und PAIS-Betroffene nimmt langsam Gestalt an. Sechs Fachärzte sowie weitere Gesundheitsberufe wie Diätologen und Physiotherapeuten sollen dort tätig sein. Pro Jahr sollen rund 5.000 Patienten betreut werden. Es ist auch geplant, Termine online per Telemedizin anzubieten. Wichtig ist vor allem, dass Betroffene eine gesicherte Diagnose bekommen, damit sie die richtige Behandlung erhalten.

Im AKH erforscht die Immunologin Eva Untersmayr-Elsenhuber die Ursachen von Long Covid und ME/CFS. Ihre neuesten Erkenntnisse zeigen, dass bei vielen Betroffenen die Mastzellen aktiviert sind. "In einer österreichischen Kohorte von über 300 ME/CFS-Patientinnen und -Patienten waren es etwa 25 Prozent, die Anzeichen dieser Mastzellaktivierung zeigen", so Untersmayr-Elsenhuber. Das ist deshalb wichtig, weil diese Aktivierung auf bestimmte Therapien wie Antihistaminika oder Mastzellstabilisatoren anspricht. Außerdem könnte das bei der Diagnose helfen.

Stingl rät den Verantwortlichen des neuen Ambulatoriums, besonders auf die Bedürfnisse der ME/CFS-Betroffenen zu achten. "Darauf muss Rücksicht genommen werden, vor allem, was Wartezeiten angeht und was die Dauer der Termine angeht", sagt Stingl.

Die Kosten für das neue PAIS-Zentrum werden derzeit auf rund 8,9 Millionen Euro geschätzt. Bezahlt wird es von der Stadt Wien, der Österreichischen Gesundheitskasse und der Pensionsversicherungsanstalt.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 27.11.2025, 10:53, 27.11.2025, 08:58
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