Seit Jahren beschäftigt uns Long-COVID: Müdigkeit, Atemprobleme, Konzentrationsstörungen – Symptome, die selbst Monate nach einer Infektion auftreten können. Millionen Menschen weltweit kämpfen damit. Doch das könnte nur die Spitze des Eisbergs sein.
Denn während viele dachten, die langfristigen Folgen von Corona seien inzwischen gut erforscht, kommt nun eine neue, brisante Wendung: COVID kann auch Autoimmunerkrankungen wie Rheuma auslösen. Das zeigt jetzt eine Studie aus Südkorea und Japan.
Bisher stand bei Long-COVID vor allem eines im Zentrum: Menschen fühlen sich nach der Infektion monatelang krank. Einige klagen über Gelenkschmerzen, andere über Muskelschmerzen und extreme Müdigkeit – Beschwerden, die man bislang häufig als Teil des "Long-COVID-Spektrums" einstufte.
Doch die neue Studie macht klar: Diese Symptome könnten in manchen Fällen nicht einfach Long-COVID sein, sondern der Beginn einer echten, chronischen Rheuma-Erkrankung.
Der Begriff "Rheuma" umfasst über 100 unterschiedliche Erkrankungen, die Gelenke, Muskeln, Sehnen, Organe oder das Bindegewebe betreffen können. Zu den bekanntesten Formen zählen etwa Rheumatoide Arthritis, Lupus oder Vaskulitiden. Viele rheumatische Erkrankungen zählen zu den Autoimmunerkrankungen. Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen den eigenen Körper.
Forschende aus Südkorea und Japan werteten die Gesundheitsdaten von mehr als 22 Millionen Menschen aus. Das Ergebnis ist deutlich: In Südkorea entwickelten Covid-Genesene 25 Prozent häufiger eine Autoimmunerkrankung als Menschen ohne COVID-19. In Japan lag der Anstieg sogar bei 79 Prozent.
Betroffene hatten Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis, Lupus und Vaskulitiden (Gefäßentzündungen). Die Wissenschafter sprechen von einem "klaren immunologischen Langzeitrisiko". Vor allem, wenn COVID schwer verlaufen ist.
Der Verdacht: Bei manchen Personen fährt das Immunsystem während oder nach einer Infektion derart hoch, dass es anschließend außer Kontrolle gerät. Dabei entstehen Autoantikörper, die körpereigene Strukturen angreifen – ein typischer Mechanismus vieler Rheuma-Erkrankungen.
Kurz gesagt: COVID kann das Immunsystem so stark verwirren, dass es sich dauerhaft gegen den eigenen Körper richtet.
Die Studie zeigt, dass manche Menschen, die nach einer Infektion über Gelenkschmerzen, Entzündungen oder extreme Erschöpfung klagen, möglicherweise nicht "nur" Long-COVID haben, sondern eine bislang nicht erkannte rheumatologische Erkrankung.