Seit Jahrzehnten war sie einfach da – plötzlich ist sie verschwunden: Vor dem Sitz des traditionsreichen Betriebs Just aus Floridsdorf sorgt die Entfernung einer Ladezone für heftigen Wirbel. Jetzt beschäftigt der Fall sogar die Volksanwaltschaft.
In der Sendung "Bürgeranwalt" griff Volksanwalt Dr. Christoph Luisser die Beschwerde des Unternehmens auf. Vor dem Firmensitz hatte es seit den 1970er-Jahren ein Parkverbot mit dem Zusatz "ausgenommen Zusteller" gegeben. Ohne Vorankündigung wurden die entsprechenden Schilder jedoch entfernt – und damit auch die Möglichkeit, dort wie gewohnt Waren zuzustellen.
Als der Unternehmer bei den zuständigen Stellen nachfragte, erhielt er eine überraschende Begründung: Die Firma, für die die Ladezone ursprünglich eingerichtet worden sei, existiere seit rund 20 Jahren nicht mehr. Der Betroffene widerspricht. Sein Betrieb beliefere nach wie vor unter anderem die Gemeinde Wien. Zudem habe er in den vergangenen zwei Jahrzehnten durchgehend Kommunalsteuer an die Stadt Wien entrichtet.
Von offizieller Seite wurde ihm geraten, eine neue Lieferzone zu beantragen. Die dafür anfallenden Kosten – unter anderem für neue Schilder und Bodenmarkierungen – in Höhe von mehr als 4.000 Euro müsse er allerdings selbst übernehmen. Außerdem habe es sich laut Behördenangaben nicht um eine Ladezone, sondern lediglich um eine Zustellzone gehandelt.
Was tatsächlich zur Entfernung führte, wird nun geprüft. Ein entsprechendes Verfahren ist bei der Volksanwaltschaft anhängig. Dort liegen auch Hinweise vor, wonach eine Anrainerbeschwerde Auslöser gewesen sein könnte. Im Raum steht der Verdacht, dass ein benachbarter islamischer Kulturverein die neu gewonnenen Parkplätze für seine Besucher benötige.
Volksanwalt Luisser sieht den Umgang mit dem Traditionsbetrieb kritisch. "Derzeit geht eine Pleitewelle durchs Land, da wäre eine unternehmerfreundliche Vorgehensweise gegenüber einem seit 1912 bestehenden Familienbetrieb doch angesagt", forderte Volksanwalt Luisser.