Stadt glaubte an Aus von Firma

Ladezonen-Posse um Familien-Unternehmen in Wien

Eine Halteverbotszone vor einer Stempelfabrik in Wien-Floridsdorf wurde plötzlich entfernt. Grund: Die Stadt glaubte, die Firma gibt’s nicht mehr.
Wien Heute
15.02.2026, 13:30
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Seit fast 50 Jahren sorgt eine Parkverbotszone mit Ausnahme für Zustelldienste vor dem Firmengebäude der Stempelwarenfabrik "Just und Söhne" in der Koloniestraße in Wien-Floridsdorf für freie Zufahrt. Doch am 17. November 2025 war plötzlich Schluss damit. "Ohne jegliche Vorwarnung wurde die Zone aufgehoben", sagt Geschäftsführer Stefan Just in der ORF-Sendung "Bürgeranwalt".

Zahlreiche Probleme für Traditionsbetrieb

Die Folgen? Chaos im Betriebsalltag: "Große Lkw können nicht mehr zufahren, weil parkende Autos die Einfahrt blockieren. Fahrzeuge über 3,90 Meter kommen durch das Tor nicht rein – und müssen jetzt in zweiter Spur stehen bleiben." Auch für die Mitarbeiter sei die Situation schwierig geworden: "Wegen des Parkpickerls müssen sie im Hof parken. Ohne Ladezone können sie aber nicht mehr sicher auf die Straße fahren, weil die Autos so knapp parken und die Sicht verstellen."

LKW kommen kaum zwischen den parkenden Autos durch.
"Bürgeranwalt"/ORF

Dabei geht es nicht nur um den Warentransport: "Wir sind auch ein Paketshop. Das bringt zusätzlichen Verkehr. Dass man uns sagt, unsere Firma existiere seit 20 Jahren nicht mehr, ist absurd", ärgert sich Just im "Bürgeranwalt". Der Traditionsbetrieb in Familienbesitz beschäftigt aktuell 20 Mitarbeiter.

Genau das soll ihm nämlich die MA46 – die zuständige Magistratsabteilung für Verkehrsorganisation – erklärt haben. Und: Es hätte Anrainerbeschwerden gegeben, die Zone werde ohnehin nicht genutzt. Für Just völlig unverständlich: "Niemand hat mit uns geredet. Jetzt bleiben wir auf dem Problem sitzen."

Firma soll für neue Schilder selbst zahlen

Die Firma wandte sich an die Volksanwaltschaft. Volksanwalt Christoph Luisser findet die ganze Aktion "komisch", es fehle weiters die rechtliche Grundlage, ist er überzeugt. Und: Dass die Tafeln entfernt wurden und die Firma – im Fall, dass eine Ladezone bewilligt wird – für die Neuaufstellung selbst aufkommen soll, sei nicht in Ordnung. Pro Schild seien das 2.000 Euro, zwei Schilder wären nötig.

Dieser Bereich vor der Wiener Firma war bis vor Kurzem ein Halteverbot
"Bürgeranwalt"/ORF

MA46: War nie eine Ladezone

Markus Raab, Chef der MA46, betont in der Sendung: "Es war eine Zustellzone, keine Ladezone." Diese sei 1978 eingerichtet worden – damals wegen einer gefährlichen Kreuzung in der Nähe. "Da die Kreuzung inzwischen entschärft ist, wurde auch die Zustellzone nicht mehr als notwendig eingestuft", so Raab.

Doch ein Happy End scheint in Sicht. Raab bestätigt: "Ein Verfahren zur Einrichtung einer Ladezone wurde bereits eingeleitet. Wir gehen davon aus, dass es positiv abgeschlossen wird – das ist wohl nur noch Formsache."

Zwei Unfälle seit November

Just zeigt sich vorsichtig optimistisch: "Wir brauchen die Ladezone nur zu unseren Betriebszeiten. Am Wochenende kann dort ruhig geparkt werden – aber unter der Woche muss eine Lösung her." Dass die Kreuzung – wie von der MA46 behauptet – entschärft sei, glaubt er aber nicht. Allein seit der Entfernung der Schilder sei es zu zwei Unfällen gekommen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 15.02.2026, 13:30
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