Die Wiener Linien und die ÖBB präsentierten am Donnerstag die Baustellen-Pläne für den Sommer: Den Auftakt macht von 4.7. bis 6.9. die Sperre der S-Bahn-Stammstrecke zwischen Praterstern und Floridsdorf. Weiters fährt die U4 von 3.7. bis 2.8. zwischen Wien Mitte und Schwedenplatz nicht, für die U3 gilt dies von 4.7. bis 23.8. zwischen Westbahnhof und Hütteldorfer Straße – "Heute" berichtete.
Nach der Sommersperre folgt jedoch die bislang größte Herausforderung für das Wiener Öffi-Netz: Von 7. September 2026 bis Ende Oktober 2027 wird die S-Bahn-Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Praterstern für ganze 14 Monate gesperrt. Das hat auch Auswirkungen auf den City Airport Train (CAT).
Denn auch hier ist der Streckenabschnitt zwischen Wien Mitte und Rennweg komplett gesperrt. Als Ersatz fahren hochwertig ausgestattete Setra-Reisebusse von der Firma Blaguss Reisen. Weiters wird die Frequenz der Transfers erhöht, pro Stunde verkehren bis zu fünf Busse in jede Richtung.
Reaktionen auf die präsentierten Baustellen-Pläne gab es von der ÖVP und den Grünen. "Die Modernisierung der Infrastruktur ist notwendig, aber die SPÖ-Neos-Stadtregierung darf die Wienerinnen und Wiener mit den Folgen nicht alleine lassen. Jetzt braucht es einen konkreten, belastbaren Ersatzplan statt bloßer Ankündigungen", betont VP-Verkehrssprecherin Elisabeth Olischar.
Aus Sicht der Wiener Volkspartei müsse die SPÖ-Neos-Stadtregierung umgehend gemeinsam mit den ÖBB und den Wiener Linien ein abgestimmtes Gesamtkonzept vorlegen, das Taktverdichtungen, klare Informationsketten und funktionierende Ausweichrouten sicherstellt. "Wer hunderttausende Menschen täglich zum Umsteigen zwingt, muss auch garantieren, dass diese Alternativen funktionieren. Überfüllte Bahnsteige und stundenlange Verzögerungen dürfen nicht zur neuen Normalität werden", so Olischar.
Kritik kommt auch von den Grünen: "Es ist gut, wenn die Stammstrecke modernisiert wird. Aber die Stadtregierung muss liefern und ein Ersatzpaket aufsetzen, das diesen Namen verdient: mit spürbaren Taktverdichtungen, zusätzlichen Garnituren und Personal, deutlichen Verbesserungen der Straßenbahn und echten Vorrang-Routen für Öffis auf der Oberfläche", erklären die Mobilitätssprecher:innen Heidi Sequenz und Kilian Stark.
Zu befürchten seien völlig überladene Bahnsteige, etwa bei der U1 Hauptbahnhof, überfüllte Züge und Probleme im ganzen Netz. Das hätte monatelang mehr Stau, mehr Belastung und einen Rückschritt für die Verkehrswende zur Folge: "Es dauert noch, bis der Herbst da ist – aber die Zeit läuft spätestens ab jetzt: Stadträtin Sima muss aus Ankündigungen einen verlässlichen Plan machen, der die Öffi-Fahrgäste gut durch diese Sperre bringt", so Stark und Sequenz abschließend.
Auch für die FPÖ sind die Öffi-Sperren ein massiver Einschnitt: "Gleich mehrere zentrale Verkehrsadern lahmlegen und den Fahrgästen dafür auch noch höhere Preise verrechnen, ist eine Farce", erklärt der Stadtwerkesprecher der Wiener FPÖ, Klemens Resch.
Wer sowohl die wichtigste S-Bahn-Verbindung als auch eine zentrale U-Bahn-Linie einschränke, bringe das Wiener Öffi-System an seine Belastungsgrenze. "Die rot-pinke Stadtregierung ist gefordert, die Ticketpreise auszusetzen und ein überzeugendes Ersatzkonzept vorzulegen, das diesen Namen auch verdient. Wien braucht funktionierende Öffis, keine Dauerbaustellen auf Kosten der Fahrgäste", schließt Resch.