Großeinsatz an der polnisch-russischen Grenze: Polizei, Grenzschutz und Militär sind in der Nacht zu einem umfangreichen Einsatz nahe der russischen Exklave Kaliningrad ausgerückt. Hintergrund waren Geheimdienstinformationen über ein mögliches Eindringen bewaffneter Personen auf polnisches Staatsgebiet, berichtete "focus.online".
Polens Regierungschef Donald Tusk bestätigte den Einsatz am Dienstag in Warschau. "Kurz nach Mitternacht bekam ich die Information, dass an der polnisch-russischen Grenze beunruhigende Bewegungen beobachtet werden", erklärte er. Demnach seien unter anderem Personen mit Taschenlampen in Grenznähe unterwegs gewesen.
Dank des raschen Eingreifens der Sicherheitskräfte seien mögliche Provokationen verhindert worden, so Tusk. Die Behörden hätten zuvor konkrete Hinweise auf eine drohende Eskalation erhalten.
Laut dem polnischen Regierungschef hatten die Geheimdienste bereits seit längerer Zeit vor geplanten Aktionen Anfang November gewarnt. Auch der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa, Alexus Grynkewich, habe ihm diese Informationen bestätigt.
Polen ist sowohl Mitglied der Europäischen Union als auch der Nato und teilt mit der russischen Exklave Kaliningrad eine 232 Kilometer lange Grenze. Das militärisch hochgerüstete Gebiet ist von den Nato-Staaten Polen und Litauen umgeben und gilt als strategisch wichtiger russischer Militärstützpunkt.
Die jüngsten Vorfälle verstärken die ohnehin bestehenden Sicherheitsbedenken in Europa. Bereits im Sommer hatten US-Medien über Geheimdienstinformationen berichtet, wonach Russlands Präsident Wladimir Putin innerhalb der kommenden Jahre die Entschlossenheit der Nato testen könnte.
Als mögliches Szenario wurde dabei ein begrenzter Angriff auf ein Nato-Mitglied genannt. Dieser könnte unterschiedliche Formen annehmen: von einer Cyberattacke bis hin zum Eindringen kleinerer Gruppen russischer Soldaten in nicht gekennzeichneten Uniformen auf das Gebiet eines Bündnisstaates.
Der aktuelle Einsatz an der polnischen Grenze zeigt, wie angespannt die Sicherheitslage an der Nato-Ostflanke weiterhin ist.