Invasive Arten in Linz

Allergiker am Limit: Nun geht es Pflanzen an den Kragen

Ragweed, Beifuß und der Götterbaum verlängern die Pollensaison spürbar. Jetzt fordert die Linzer VP ein hartes Vorgehen der Stadt gegen die Neophyten.
Oberösterreich Heute
24.03.2026, 05:00
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Niesen, tränende Augen, Atemprobleme: In Linz schlagen invasive Pflanzen (Neophyten) wie Ambrosia (Ragweed), Beifuß und der Götterbaum immer stärker durch. Ärzte warnen vor einer deutlichen Verschärfung der Lage – die Allergiesaison verlängert sich spürbar.

Was sind Neophyten?

Neophyten sind gebietsfremde Pflanzenarten, die nach 1492 – also seit Beginn des weltweiten Warenverkehrs – mit direkter oder indirekter Hilfe des Menschen in neue Regionen gelangt sind.

Die meisten bleiben unauffällig, einige wenige sind aber invasiv: Sie verdrängen heimische Arten, verändern Ökosysteme und werden so zur Gefahr für die Artenvielfalt.

Zusätzlich können sie wirtschaftliche oder gesundheitliche Probleme verursachen.

Quelle: Naturschutzbund Österreich

Allergie-Saison verlängert sich

"Für immer mehr Menschen wird die Pollensaison zur Dauerbelastung", warnt VP-Klubobfrau Michaela Sommer. Besonders problematisch sei, dass diese Pflanzen von Hitze und Trockenheit in der Stadt stark profitieren – und sich dadurch rasant vermehren.

Die Folgen seien schon messbar: Aktuelle Auswertungen der Medizinischen Universität Wien zeigen laut ÖVP, dass etwa im Vorjahr erstmals mehr Pollen des Götterbaums als von Gräsern in der Luft gefunden wurden – und das mitten in der klassischen Hauptsaison der Gräserblüte.

Auch aus medizinischer Sicht ist die Entwicklung alarmierend: Man beobachte "seit Jahren, dass sich das Allergiespektrum verändert. Neue Allergene kommen hinzu und verlängern die Saison", sagt Dermatologe Werner Saxinger vom Klinikum Wels-Grieskirchen. Gerade invasive Pflanzen wie Ambrosia oder der Götterbaum könnten für Betroffene eine "erhebliche zusätzliche Belastung" darstellen.

"Enorme Kosten und Belastungen"

Die Linzer Volkspartei fordert deshalb von der zuständigen Stadträtin Eva Schobesberger (Grüne) ein "konsequentes Vorgehen gegen allergierelevante Neophyten in Linz": "Es geht nicht darum, Stadtgrün zu bekämpfen", betont Sommer. "Sondern darum, problematische Arten frühzeitig zu erkennen und ihre Ausbreitung zu verhindern. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird das Problem in wenigen Jahren deutlich größer sein."

Konkret geht es um Schulungen für Mitarbeiter, mehr Infos für Bürger, bessere Meldemöglichkeiten und rechtzeitige Grünraumpflege, damit sich die Pflanzen nicht weiter ausbreiten. "Wenn man früh reagiert, lässt sich die Ausbreitung invasiver Pflanzen noch gut kontrollieren", erklärt Saxinger. "Wartet man zu lange, entstehen enorme Kosten und Belastungen für die Bevölkerung."

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Laufende Kontrollen, frühzeitige Mahd

Auf "Heute"-Anfrage heißt es aus dem Büro von Schobesberger, dass man sich beim Umgang mit invasiven Pflanzen an die EU-Vorgaben hält. Die konkrete Umsetzung liege in der Zuständigkeit der Bundesländer. Das mache auch "relativ viel Sinn, weil sich die meisten Neophyten nicht auf städtischem Grund befinden".

Man verweist außerdem darauf, dass die Neophyten schon im vergangenen September in Linz Thema waren: In ihrer damaligen Beantwortung einer Anfrage hielt Schobesberger fest, dass die Stadt in ihrem Zuständigkeitsbereich laufende Kontrollen, händische Entfernung kleiner Bestände und frühzeitige Mahd einsetzt, um die Ausbreitung invasiver Pflanzen einzudämmen.

Hohe wirtschaftliche Schäden

Die Dimension des Problems ist enorm: Weltweit verursachten invasive Arten laut Universität Wien zwischen 1980 und 2019 Schäden von rund 1,2 Billionen US-Dollar – mehr als Erdbeben oder Überschwemmungen (jeweils 1,1 Billionen US-Dollar). Nur Stürme richteten in diesem Zeitraum noch größere wirtschaftliche Schäden an.

Auch die Kosten durch einzelne Pflanzenarten gehen ins Geld: Allein Ragweed verursache in Deutschland jährlich mindestens 827 Millionen Euro Schaden – etwa durch die Behandlungen der Allergiker bzw. durch deren krankheitsbedingte Fehlzeiten. Für Österreich schätzen Experten die Belastung durch die stark verbreitete Pflanze auf zumindest 80 Millionen Euro pro Jahr – Tendenz steigend.

{title && {title} } red, {title && {title} } 24.03.2026, 05:00
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