Die überwiegend ehrenamtlichen Bergretter riskieren Tag für Tag ihr Leben, um Wanderer, Bergsteiger, Kletterer und andere Menschen aus ihren Notlagen zu befreien, retten Tag für Tag Leben. Um so empörender ist es, wenn sich Alpinisten nicht nur unnötig in Gefahr begeben, sondern sogar dezidiert entgegen den Warnungen der Bergretter handeln – oder noch schlimmer.
Für die Bergwacht Grainau auf der deutschen Seite der Zugspitze kam es am Freitag nun zum "kuriosen Saisonstart". Gegen 11.40 Uhr wurden die Bergretter zu einem verletzten Bergsteiger oberhalb des sogenannten Bretts im Höllental alarmiert. Dieser hatte sich eine Stichwunde mit einem Steigeisen zugezogen.
Kurze Zeit später nahm der von unserem Einsatzleiter angeforderte Rettungshubschrauber RK2 aus Reutte (Tirol) einen Luftretter auf und startete ins Einsatzgebiet. Dank genauer Lokalisation der Einsatzkräfte konnte die verletzte Person schnell gefunden und die Besatzung in der unmittelbaren Nähe im Schwebeflug abgesetzt werden.
Die Begleiter des Verletzten waren in der Zwischenzeit schon über hundert Meter weiter aufgestiegen. Nach einer kurzen medizinischen Überprüfung entschied sich der Luftretter für eine Rettung mit Bergedreieck, sodass nach nur 20 Minuten alle wohlauf an unserem Tallandeplatz eintrafen. Hier wurde der Patient auch noch einmal kurz von der Notärztin des Hubschraubers durchgecheckt.
Im Gespräch kam heraus, dass die Freunde des Verunfallten sich der Schneesituation im Klettersteig und des Zeitaufwands nicht bewusst waren. Auf Anraten der Einsatzmannschaft rief er seine Begleiter an und gab unsere Bedenken weiter. Entgegen dem Rat entschieden sie sich dennoch dafür, den Aufstieg fortzusetzen. Der Einsatz war damit beendet – aber nur vorerst.
Knapp zwei Stunden später erreichte sie einen weiteren Alarm über drei erschöpfte Bergsteiger am Höllentalferner. Wie befürchtet, handelte es sich um die Begleiter des vorher Verunfallten. Zwei Einsatzkräfte wurden nach oben gebracht und konnten direkt bei den Betroffenen anlanden. Somit war auch dieser Einsatz schnell abgearbeitet.
Dann wurde es richtig kurios: Die Einsatzkräfte sahen sich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass nur der Anruf mit der Bitte um Abbruch der Tour die Zweifel ausgelöst und somit den zweiten Einsatz verursacht hätte. Diese doch recht eigenwillige Interpretation sorgte für einige stutzige Augen bei der Dienstmannschaft.
Dennoch: Einem Großteil der Geretteten, besonders bei Selbstverschulden, sind die Einsätze peinlich und sie sind im Anschluss dankbar, so die Bergwacht, die nochmals ausdrücklich auf die noch tief winterlichen Verhältnisse im Hochgebirge hinweist.