Er war unbequem, kompromisslos und nahm sich kein Blatt vor den Mund: Der Kärntner Künstler Reimo Wukounig ist am Mittwochabend im Alter von 83 Jahren gestorben. Seine Werke sorgten für Aufsehen – und erzählten von einer Kindheit voller Leid.
Die Kunstwelt trauert um Reimo Wukounig. Der gebürtige Kärntner aus St. Kanzian am Klopeiner See lebte seit vielen Jahren in Wien. 1976 vertrat er Österreich bei der Biennale in Venedig. Doch hinter seiner erfolgreichen Karriere steckte eine erschütternde Geschichte.
Bereits mit acht Jahren kam Wukounig in ein Pflegeheim. In der Erziehungsanstalt Harbach bei Klagenfurt wurde er Opfer von Missbrauch durch den Kinderarzt Franz Wurst, den er später als "Monster" bezeichnete.
Die traumatischen Erlebnisse ließen ihn nie los. In der Dokumentation "Zögling 33" arbeitete er seine Vergangenheit auf. Auch seine Kunst war von den seelischen und körperlichen Verletzungen geprägt – schonungslos, verstörend und kompromisslos.
Ob Installationen mit Bügelbrettern, unzählige Gesichter oder Figuren mit gespaltenen Köpfen: Wukounigs Kunst kannte kaum Grenzen. Der Maler, Zeichner und Objektkünstler experimentierte unermüdlich. "Ich zeichne jeden Tag irgendwas", sagte er einmal. Sein Leben widmete er nach eigenen Worten ausschließlich der Kunst.
2023 erhielt Wukounig das Große Ehrenzeichen des Landes Kärnten für sein Lebenswerk. Kärntens Kulturreferentin Gaby Schaunig (SPÖ) zeigte sich über seinen Tod tief betroffen. Sie würdigte seine Kunst als eindringliches Zeugnis gegen das Verschweigen und Verdrängen von Unrecht.
Mit Wukounig verliert Österreich einen Künstler, der auch dort hinschaute, wo andere lieber wegsehen wollten.