Ob High Heels, Luxus-Pumps oder klobige Arbeiterstiefel: Schuhe sind weit mehr als nur praktische Alltagsbegleiter. Sie stehen für Macht, Verführung, gesellschaftlichen Status und manchmal sogar für Widerstand. Genau darum dreht sich die neue Ausstellung "To Shoe or not to Shoe - Warhol and Others" in der Heidi Horten Collection in Wien.
Ab 21. Oktober sind dort rund 20 Werke aus der Sammlung sowie ausgewählte Leihgaben zu sehen. Die Schau läuft bis 18. April 2027 und zeigt, wie Künstler aus einem gewöhnlichen Kleidungsstück ein außergewöhnliches Kunstobjekt machen.
Im Mittelpunkt der Schau steht Pop-Art-Legende Andy Warhol. Bereits Mitte der 1950er-Jahre beschäftigte sich der Künstler mit Schuhen und schuf die Serie "À La Recherche du Shoe Perdu". Der Titel spielt auf das berühmte Romanwerk von Marcel Proust an. Warhol verbindet darin Schuhe mit bekannten Redewendungen, Popsongs und literarischen Zitaten. Sogar William Shakespeare muss dafür herhalten: Aus Hamlets berühmtem "To be or not to be" wird kurzerhand "To Shoe or not to Shoe".
"Ich habe mich durch die Sammlung gearbeitet, als ich vor knapp einem Jahr angefangen habe. Da ist mir die Mappe von Andy Warhol aufgefallen. Es ist eine sehr spannende Arbeit, weil er die gemacht hat, als er noch sehr jung war und noch als Werbegrafiker gearbeitet hat. Es ist eine Serie, die seinen Übergang zum bildenden Künstler markiert", sagt Museumsdirektorin Verena Kaspar-Eisert im "Heute"-Gespräch. Der Schuh "kann bequem, teuer, ein Statussymbol oder Fetisch-Objekt sein. Das zeigt sich auch in der Kunst."
Kaspar-Eisert bringt frischen Wind ins Museum. "Jetzt haben wir in einem Kabinett eine kleine Schuh-Boutique mit Kunstwerken. Das kommt leichtfüßig daher, obwohl manche der Arbeiten durchaus auch ein bisschen harter Tobak sind. Da liegen durchaus auch Tiefe und manche Extreme im Schuh. Das ist eine gute und lustvolle Ergänzung zur Permanent Collection."
So zeigen die knallroten Pumps des italienischen Künstlers Mimmo Rotella, wie stark Schuhe mit Erotik und Verführung verbunden sein können. Die österreichische Künstlerin Birgit Jürgenssen beschäftigt sich hingegen mit weiblichen Lebensgeschichten und märchenhaften Vorstellungen. Gudrun Kampl und Sue Williams gehen noch einen Schritt weiter und verwandeln den Schuh in eine potenzielle Waffe.
Besonders ungewöhnlich ist ein Werk von Jakob Lena Knebl: Darin verschmelzen ein eleganter Stöckelschuh und ein robuster Arbeiterstiefel. Damit stellt die Künstlerin traditionelle Vorstellungen von Geschlecht und gesellschaftlichen Rollen infrage.
Dass Schuhe auch politische und gesellschaftliche Botschaften transportieren können, zeigen weitere Werke der Ausstellung. Der Künstler Allan Kaprow fegte einst gebrauchte Schuhe durch die Straßen von Bonn und versorgte ihre "Wunden" anschließend mit Mull und Heftpflaster.
Mona Hatoum wiederum ging barfuß durch den Londoner Stadtteil Brixton und zog dabei schwere Doc-Martens-Stiefel hinter sich her. Und die Schweizer Künstlerin Sylvie Fleury machte aus exklusiven Designerschuhen dauerhafte Kunstwerke: Ihre "Alaïa Shoes" sind in Bronze gegossen.