Schön sein, erfolgreich sein, einen reichen Mann angeln – und dabei bloß nicht alt werden! Willkommen in der bitterbösen Welt von Elfriede Jelinek. Zum 80. Geburtstag der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin am 20. Oktober bekommt ihr Roman "Die Liebhaberinnen" ein modernes Kino-Update. Ab 22. Oktober ist die gleichnamige Verfilmung in den Kinos zu sehen.
Regisseurin Caroline Kox, kurz Koxi, holt Jelineks Gesellschaftssatire aus den 1970er-Jahren direkt ins Instagram-Zeitalter. Und siehe da: So viel hat sich offenbar gar nicht verändert!
Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, die vom großen Glück träumen – und dafür einen hohen Preis bezahlen.
Brigitte (Johanna Wokalek) hat ihre besten Jahre vermeintlich hinter sich. Als Messehostess verkauft sie luxuriöse Endzeitbunker, wird von Männern begrapscht und von jüngeren Kolleginnen überholt. Ihre Wohnung hat sie untervermietet, geschlafen wird in der Umkleide eines Fitnessstudios. Der Traum vom besseren Leben? Längst geplatzt.
Bis ihr der wohlhabende Heinz (Ben Münchow) über den Weg läuft. Für Brigitte ist klar: Dieser Mann könnte ihre Eintrittskarte in die bessere Gesellschaft sein.
Währenddessen versucht die junge Paula (Hannah Schiller), ihrem tristen Dorfleben zu entkommen. Als Cam-Girl macht sie aus allem Geld – ihrem Körper, ihrem Badewasser und sogar ihren Fußnägeln. Hauptsache berühmt werden!
Für Regisseurin Koxi ist Jelineks Geschichte aktueller denn je. "Die strukturellen Probleme existieren leider immer noch. Damit meine ich vor allem ökonomische Abhängigkeiten", erklärt sie im Interview.
Schon früh habe sie sich in den Figuren der Nobelpreisträgerin wiedererkannt. "Ich glaube, dass der Film vor allem für die Träume von Frauen steht – jede von uns ist in gewisser Weise eine Brigitte oder eine Paula."
Dass sich seit den 1970ern nicht alles zum Besseren gewendet hat, bekam die Filmemacherin auch selbst zu spüren. "Ich musste mit Widerständen kämpfen, um den Film zu finanzieren", erzählt sie. Trotz aller feministischen Fortschritte gebe es noch viel zu tun – Stichwort Gender-Pay-Gap.
Romantisch wird es in dieser Liebesgeschichte jedenfalls nicht. "Der Film ist definitiv ein heterosexueller Albtraum, und so sehe ich das auch", stellt Koxi klar.
Ob Liebe und Feminismus überhaupt zusammenpassen? Da hat die Regisseurin ihre Zweifel: "Ich weiß nicht, ob Feminismus Romantik im heterosexuellen Gefüge zulässt. Ich würde es mir wünschen, aber irgendwie geht sie immer mit ökonomischen Zwängen und Abhängigkeiten einher."
Doch nicht nur die Männer bekommen bei Jelinek ihr Fett weg. Auch unter Frauen herrscht Konkurrenzkampf statt Zusammenhalt. "Die Schlüsselfrage des Romans stellt sich vor allem zwischen Frauen: Warum sollst du es besser haben als ich?", erklärt Koxi.
Mit schwarzem Humor, bitterer Gesellschaftskritik und jeder Menge unbequemer Wahrheiten feierte "Die Liebhaberinnen" bereits bei der Berlinale Weltpremiere.
Koxi will mit ihrem Spielfilmdebüt vor allem eines: zum Nachdenken anregen. "Wie können wir in einem System leben, ohne ausgebeutet zu werden? Inwiefern sabotieren wir Frauen uns untereinander? Weibliche Solidarität ist hier auf jeden Fall ein Stichwort."
"Die Liebhaberinnen" startet am 22. Oktober in den Kinos – zwei Tage nach Elfriede Jelineks 80. Geburtstag.