Klimaschutz

Amazonas-Gipfel schmiedet Allianz gegen Waldzerstörung

Am Mittwoch endete der Amazonas-Gipfel. Verbindliche Ziele fehlen, dennoch besteht Hoffnung, dass der Regenwaldzerstörung der Kampf angesagt wird.

Lydia Matzka-Saboi
Erstmals seit 14 Jahren sind die Staats- und Regierungschefs der südamerikanischen Amazonas-Länder wieder zu einem gemeinsamen Gipfeltreffen zusammengekommen.
Erstmals seit 14 Jahren sind die Staats- und Regierungschefs der südamerikanischen Amazonas-Länder wieder zu einem gemeinsamen Gipfeltreffen zusammengekommen.
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Auf dem Regenwald-Gipfel haben acht Amazonas-Anrainerstaaten gemeinsame Maßnahmen zur Stärkung der regionalen Zusammenarbeit beschlossen. Ein gemeinsames Ziel zur Beendigung der Abholzung blieb jedoch aus.

Stattdessen wurde in der brasilianischen Stadt Belém eine Erklärung verabschiedet, die zwar eine Allianz im Kampf gegen die Waldzerstörung schafft – sie überlässt es aber den einzelnen Ländern, ihre individuellen Abholzungsziele zu verfolgen. Brasiliens Präsident Lula da Silva, der sich für bessere Umweltstandards einsetzt, wollte die Region eigentlich hinter einem gemeinsamen Kampf gegen die Entwaldung bis 2030 vereinen. In Brasilien soll die illegale Abholzung nach den Plänen der Regierung bis zu diesem Datum beendet sein. Sie war zuletzt bereits zurückgegangen.

Amazonas-Wälder nahe Kipppunkt

Der Amazonas gilt als "grüne Lunge" des Planeten. Sein Regenwald nimmt gigantische Mengen an CO2 auf. Etwa ein Fünftel des Waldes ist bereits vernichtet worden. Experten warnen davor, dass sich der Amazonas-Wald einem Kipppunkt nähert.

Unter Brasiliens ehemaligen Präsidenten Bolsonaro hatte zwischen 2019 und 2022 die Zerstörung des Regenwaldes um dramatische 75 Prozent zugenommen. Seit Lula da Silva‘s Amtsantritt im Jänner ist die Abholzung bereits um gut 42 Prozent im Vergleich zu den Vorjahren zurückgegangen.

Die Abholzung im Amazonas ist vor allem der Rinderzucht geschuldet. Brasilien ist der weltgrößte Exporteur von Rindfleisch und Soja. Ein treibender Faktor ist aber auch die Mischung aus Korruption, Landraub und organisiertem Verbrechen in dem Land.

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Gremium nach Vorbild des Weltklimarats

In der vorgestellten Abschlusserklärung wird das Bestreben der Amazonas-Anrainer erwähnt, den weltgrößten Regenwald nicht an jenen Punkt kommen zu lassen, ab dem seine Zerstörung nicht mehr aufzuhalten ist. Experten gehen davon aus, dass dies dann erreicht wird, wenn 20 Prozent der ursprünglichen Fläche vernichtet sind. Derzeit liegt die Zerstörung Wissenschaftlern zufolge zwischen 16 und 18 Prozent.

Keinerlei Erklärung erhält das Dokument dagegen zum Stopp der Förderung von Erdöl, Gas und Kohle in der Urwaldregion. Der kolumbianische Präsident Petro drängte auf ein radikales Umdenken in der Weltwirtschaft. Er forderte eine Strategie nach dem Vorbild des Marshall-Plans, nach der Entwicklungsländern im Gegenzug für Maßnahmen zum Klimaschutz ihre Schulden erlassen werden.

In der Erklärung wurden auch die Rechte und der Schutz indigener Völker betont. Außerdem wurde eine Zusammenarbeit in den Bereichen Wassermanagement, Gesundheit, gemeinsame Verhandlungspositionen bei Klimagipfeln und nachhaltige Entwicklung vereinbart. Zudem wurde ein wissenschaftliches Gremium ähnlich dem UNO-Klimapanel eingerichtet. An der Konferenz nahmen Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Peru, Ecuador, Guyana, Suriname und Venezuela teil. Auch Deutschland und Norwegen schickten als Hauptunterstützer des Amazonas-Fonds Vertreter.

Das Treffen ist keine selbstverständliche Übung. Das Amazonas-Abkommen besteht seit 1978, das letzte Meeting liegt 14 Jahre zurück und eine Konferenz unter Teilnahme von Staatschefs hat es am Amazonas überhaupt noch nicht gegeben.

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