Mittwochfrüh brachte eine Amok-Warnung Chaos in den Schulalltag. Kurz vor 7.40 Uhr ertönte eine Melodie in der BHAK/BHAS St. Pölten, dann die Lautsprecher-Ansage: "Amokalarm" ("Heute" berichtete). Sorge brach aus.
Ein Vater berichtet von einer angsteinflößenden Ausnahmesituation: Sein Teenager (19) habe ihm am Mittwoch direkt nach der Lautsprecher-Durchsage auf WhatsApp geschrieben und von der Meldung berichtet. Danach hätte der Teenager sich mit drei weiteren Jugendlichen in Panik in einem Klassenzimmer verbarrikadiert und Schultische als Mauer hinter die Tür des Klassenzimmers geschoben. Kurz vor Unterrichtsbeginn war noch keine Lehrkraft im Klassenzimmer, die Jugendlichen handelten also allein und unbetreut. Andere Schüler hätten in einer Ecke zu weinen begonnen, wieder andere seien unabgesprochen und ziellos ins Freie gelaufen.
Direktor Thomas Huber sprach gegenüber "Heute" von einem technischen Versehen. Die Melodie mit der Ansage sei zweimal durchgesagt und nach rund 15 Sekunden gestoppt worden. Danach soll Huber über die Lautsprecher selbst Entwarnung gegeben haben – es war zu keinem Zeitpunkt tatsächliche Gefahr in Verzug.
Seit einigen Wochen nutze die Schule ein neues digitales Amok-Warnsystem, dieses soll am Mittwoch eigenständig ein Update durchgeführt haben. So soll die Amok-Warnung als ungeplanter Probe-Alarm ertönt sein.
Nach der Entwarnung sei schnell wieder zum Regelunterricht zurückgekehrt worden. Wie Direktor Thomas Huber betont, wurde der Vorfall in der ersten Unterrichtsstunde mit den Schülern nachbesprochen. Hatten Jugendliche Fragen, seien diese vom Lehrpersonal offen beantwortet worden, will Direktor Huber beruhigen. Danach ging der Schultag ohne weitere Ereignisse weiter.
Deutliche Kritik kommt von FPÖ-Gemeinderat und Landesrat Martin Antauer: "Die Sache einfach herunterspielen und einfach zur Tagesordnung übergehen, ist nicht akzeptabel. Einige Eltern und vor allem viele Kinder sind geschockt, daher müsste zumindest eine Betreuung angeboten werden."
Auch der Vater des Jugendlichen bemängelt die fehlende Betreuung: "Ja, ein Fehlalarm kann passieren. Aber danach hätte das Lehrpersonal die Schüler betreuen müssen. In der Nacht nach dem Vorfall hatte mein Kind einen Weinkrampf, sagte mir, 'Papa, jetzt kommt erst alles hoch'. Am Donnerstag in der Früh schreibt mein Kind mir aus der Schule: 'Papa, mir geht es gut. Ich bin noch nicht erschossen worden.' – Wie gehe ich als Vater damit um?"
Anders als bei dem Amok-Fehlalarm in Pressbaum – auch hier war am Mittwoch in einer Schule die Panik ausgebrochen – wurde keine Polizei über den Vorfall informiert, bestätigt auch der St. Pöltner Schulleiter. Auch Eltern hätten von der Schule keine Mitteilung zum Vorfall erhalten. Wer von den eigenen Kindern etwas erfahren hatte, konnte bei weiteren Fragen in der Schule anrufen.
"Offenbar gab es keinen strukturierten Plan bzw. Verhaltensregeln, dabei ist der furchtbare Amoklauf von Graz noch kein Jahr her. Der Schutz unserer Kinder muss immer an erster Stelle stehen", wettert Martin Antauer (FP).
Direktor Thomas Huber: "Es ist ja auch nichts passiert, es war kein echter Alarm. Wir hatten auch nicht vor, daraus eine echte Amok-Übung zu machen. Dieser Alarm war unbeabsichtigt und ging nur für 15 Sekunden. Ich gehe davon aus, dass die psychische Belastung durch den Vorfall für die Schüler sehr begrenzt ist."
Auf "Heute"-Anfrage gibt die Bildungsdirektion NÖ bekannt, es wären keine Schüler zu der in jener HAK St. Pölten anwesenden Schulpsychologin am Donnerstag gegangen. Die Schule kündigt an, das Alarmsystem in den kommenden Wochen nachjustieren zu wollen.