Kärntens Arbeitsmarkt steht vor einem gewaltigen Problem. Obwohl sich die Lage in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hat, könnte der demografische Wandel diesen Trend drehen. Der Grund: Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter schrumpft.
Wie groß die Lücke werden könnte, zeigen die aktuellen Prognosen: Bis 2050 könnten Kärnten bis zu 36.000 Arbeitskräfte fehlen, so der ORF. Das entspricht zusammengezählt etwa der Einwohnerzahl von Wolfsberg und St. Veit.
AMS, Industriellenvereinigung und Diakonie de La Tour wollen deshalb mehr Menschen in Beschäftigung bringen und bisher zu wenig genutzte Potenziale ausschöpfen.
AMS-Kärnten-Chef Peter Wedenig sieht laut ORF trotz der bevorstehenden Herausforderung auch Grund für Zuversicht. Die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre zeige, was am Arbeitsmarkt möglich sei: "Wir haben eine bemerkenswerte Entwicklung. Das stimmt, wir haben einen Engpass. Der Engpass besteht praktisch sowohl aus der Menge als auch in der Qualität. Wenn man es ein bisschen anders formiert, würde man sagen, diese Arterie am Arbeitsmarkt muss ein bisschen mehr geöffnet werden. Wir setzen alles daran, diese Potenziale gut zu nützen."
Die Zahlen für die Jahre 2016 bis 2025 zeigen laut Wedenig eine deutliche Veränderung: Im Jahresdurchschnitt gab es rund 7.500 Arbeitslose weniger. Das entspricht einem Rückgang von 30 Prozent.
Gleichzeitig stieg die Beschäftigung um rund 6,5 Prozent beziehungsweise etwa 13.000 Personen. Die Zahl der offenen Stellen hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt.
Damit Kärnten auch künftig genügend Arbeitskräfte hat, soll unter anderem ein Potenzial stärker genützt werden, das bisher noch nicht ausreichend ausgeschöpft wurde: Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund.
Die Diakonie de La Tour begleitet diese seit zehn Jahren in sieben Projekten. Rektorin Astrid Körner verweist laut ORF dabei auf die bisherigen Ergebnisse: "Wir haben insgesamt fast 800 Klienten und Klientinnen in Begleitung und Beratung, davon über 600 in Kursangeboten. Und eine sehr hohe Vermittlungsrate, also so im Schnitt über die zehn Jahre, sind es circa 60 Prozent Arbeitsmarkterfolg. Wir haben aber auch einzelne Projekte, wie zum Beispiel Migrants Care, ein Projekt zur Vorbereitung in den weiteren Weg in die Pflegeberufe, wo wir sogar einen Vermittlungserfolg von 87 Prozent haben."
Für AMS, Industrie und Diakonie ist klar, dass dieses Potenzial künftig stärker genützt werden soll. Gleichzeitig reicht eine einzelne Maßnahme nicht aus. Nur wenn verschiedene vorhandene Potenziale ausgeschöpft werden, soll sich der künftige Bedarf an Fachkräften in Kärnten decken lassen.
Die Herausforderung wird durch die demografische Entwicklung verschärft: Sinkende Geburtenzahlen treffen auf ein steigendes Durchschnittsalter. Dadurch gibt es künftig weniger Menschen, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.