Niederösterreich

Das AMS testet jetzt erstmals Job-Garantie

Kaum noch Langzeitarbeitslose, neue Hoffnung für Beschäftigungslose: Die Job-Garantie, die in Gramatneusiedl getestet wird, scheint zu wirken.

Clemens Pilz
Die Arbeitslosen von Marienthal sind Teil eines AMS-Pilotprojekts.
Die Arbeitslosen von Marienthal sind Teil eines AMS-Pilotprojekts.
Neumayr / picturedesk.com

Ein staatlich garantiertes Recht für jeden Bürger, zu arbeiten und ein Einkommen zu beziehen – klingt zu schön, um wahr zu sein? In Gramatneusiedl in Niederösterreich wird genau das seit zwei Jahren getestet. Alle Menschen, die dort seit länger als neun Monaten ohne Arbeit sind, kommen für das Angebot in Frage.

Projekt in Marienthal

Aus Sicht der Wissenschaft besonders interessant: Das Projekt findet just in der Marienthal-Siedlung statt, wo nach der Schließung einer Textilfabrik im Jahr 1930 quasi über Nacht der gesamte Ort arbeitslos wurde. Die Lebensbedingungen der Menschen wurden später im Rahmen der berühmten Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal" sozialwissenschaftlich untersucht und beschäftigten seither ganze Generationen an Studenten. 

Erste Resultate vielversprechend

Laut dem "Standard" zeigt die Job-Garantie bis dato vielversprechende Resultate. So konnte die Langzeitarbeitslosenquote um 60 Prozent reduziert werden, die gesamte Arbeitslosenquote ging um 20 Prozent zurück. Viele Teilnehmer berichteten außerdem über soziale und persönliche Fortschritte: "Wer am Projekt teilnahm, ist im Vergleich zu anderen Langzeitarbeitslosen aktiver, gibt eher an, seine Zeit strukturiert zu verbringen. Die Menschen haben auch eher das Gefühl, einen sinnvolleren Beitrag in der Gesellschaft zu leisten. Die Sorge vor finanziellen Problemen nimmt ab."

Der Kern des Konzepts der Job-Garantie ist eine Umkehrung bei der Jobsuche: Nicht die Arbeitslosen sind verpflichtet, sich um eine Stelle zu bemühen, sondern der Staat muss Arbeitsplätze finden oder schaffen. Die Jobsuche verliert dadurch an Schrecken für Langzeitarbeitslose. Für das Projekt bot das AMS teilnehmenden Betrieben an, in den ersten drei Monaten 100 Prozent der Lohnkosten eines vermittelten Angestellten zu übernehmen und für die folgenden neuen Monate 66 Prozent. 

7,4 Millionen Euro Budget

Das macht das AMS-Projekt freilich zu einer teuren Angelegenheit: 7,4 Millionen Euro sind bis 2024 budgetiert. Argument der Initiatoren: Langzeitarbeitslosigkeit koste auch viel, allein schon wegen des ungenützten Potenzials der Menschen.

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