Eis-Trend verblüfft

Anders als erwartet – Arktis-Daten überraschen Forscher

Die Schmelzsaison in der Arktis ist seit 1979 um rund 40 Tage länger. Doch seit 2010 stagniert der Trend überraschend.
Newsdesk Heute
23.09.2026, 17:23
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Seit Jahrzehnten schmilzt das Meereis in der Arktis früher im Frühling und friert später im Herbst wieder zu. Dadurch wurde die Schmelzsaison deutlich länger – mit Folgen für den Eisverlust in der Region. Doch eine neue Auswertung zeigt nun eine überraschende Entwicklung.

Wie das NASA Earth Observatory berichtet, hat sich der Trend seit etwa 2010 unerwartet stabilisiert. Insgesamt dauert die Schmelzsaison heute laut Studie rund 40 Tage länger als 1979. Der Großteil dieser Verlängerung passierte allerdings vor 2010. Danach blieb die durchschnittliche Länge der Schmelzperiode trotz starker jährlicher Schwankungen relativ unverändert.

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Für die Studie wurden Satellitendaten aus den Jahren 1979 bis 2023 ausgewertet. Die Forschenden untersuchten, wann das arktische Meereis im Frühling zu schmelzen beginnt und wann es im Herbst wieder zufriert. Das Ergebnis: Die Veränderung wurde vor allem dadurch angetrieben, dass das Eis später im Jahr wieder gefror – nicht so sehr dadurch, dass es früher zu schmelzen begann.

Eine wichtige Rolle spielt die Beschaffenheit des Eises. Früher gab es mehr mehrjähriges Eis, das den Sommer überstand. Heute ist das Eis im Schnitt jünger und dünner – und dadurch anfälliger für Wolken, Stürme und Wind. Die NASA-Forscherin Linette Boisvert erklärt dazu: "Früher gab es mehr von diesem mehrjährigen Eis, das nicht jeden Sommer wegschmolz." Heute gebe es wegen dünnerem und weniger Eis "viel mehr Variabilität".

In den 2000er-Jahren sorgte weniger Eis dafür, dass dunkleres Meerwasser mehr Sonnenlicht aufnehmen konnte. Diese zusätzliche Wärme verzögerte das Zufrieren und verlängerte die Schmelzsaison. Seit 2010 haben veränderte Wolkenmuster in Teilen des Arktischen Ozeans jedoch weniger Sonnenlicht bis zur Oberfläche gelassen. Das könnte erklären, warum die Schmelzsaison seither stärker von Jahr zu Jahr schwankt, langfristig aber weniger stark weiterwächst.

Wettereinfluss wächst

Eine Entwarnung ist das nicht. Die Arktis erwärmt sich weiter deutlich schneller als der globale Durchschnitt, und das verbleibende Meereis ist wesentlich dünner als vor mehreren Jahrzehnten. Die Studie deutet vielmehr darauf hin, dass die Region in eine neue Phase eingetreten sein könnte: Das jährliche Wetter beeinflusst die Schmelzsaison stärker als früher.

Ob diese Stabilisierung dauerhaft ist, bleibt offen. Die Forschenden weisen darauf hin, dass nördlich von Grönland und beim kanadischen Arktischen Archipel weiterhin dickes Eis existiert. Wird auch dieses Eis weiter dünner, könnte eine neue Phase raschen Eisverlusts einsetzen – und die Schmelzsaison erneut verlängern.

red,23.09.2026, 17:23