"Hast du schon gesehen, was die wieder gemacht hat?" Ein Satz, ein vielsagender Blick – und schon ist man mittendrin. Ob in der Kaffeeküche, beim Abendessen oder beim Scrollen durch Instagram: Über Promis, ihre Beziehungen oder ihr Aussehen zu lästern, gehört für viele fast selbstverständlich dazu. Doch während wir über andere urteilen, erzählen wir offenbar ziemlich viel über uns selbst.
Social-Media-Expertin Gizem Celik, der auf TikTok fast eine halbe Million Menschen folgen, hat sich genauer mit der Psychologie hinter Gossip beschäftigt. Ihre These: Worüber wir uns bei anderen aufregen, kann unsere eigenen Werte und Vorstellungen sichtbar machen.
Besonders deutlich wird das beim Thema Aussehen. Wer sich beispielsweise über das Facelift einer älteren Prominenten aufregt, kritisiert womöglich nicht nur deren Entscheidung. Dahinter könne laut Celik auch Frust über gesellschaftliche Schönheitsideale stecken: Warum wird von Frauen erwartet, möglichst jung auszusehen? Und warum wird gleichzeitig über sie gespottet, wenn sie mit Eingriffen versuchen, genau diesem Ideal zu entsprechen?
Was uns an anderen triggert, kann damit Hinweise darauf geben, welche Erwartungen, Rollenbilder oder gesellschaftlichen Regeln uns selbst beschäftigen.
Gossip pauschal zu verteufeln, greift für Celik deshalb zu kurz: Wenn wir leidenschaftlich über jemanden sprechen, zeigt das zunächst einmal, dass uns das dahinterliegende Thema offenbar nicht kaltlässt. Spannend wird es deshalb, sich beim nächsten Tratsch selbst zu erwischen: Warum stört mich das eigentlich so sehr? Vielleicht steckt hinter dem schnellen Urteil ein Thema, das viel größer ist als der Promi, um den es gerade geht.
Eine Grenze zieht Celik allerdings dort, wo die Empathie verloren geht. Wird über Körper, Alter oder Aussehen anderer Menschen hergezogen, können dabei genau jene problematischen Schönheitsideale oder sexistischen Vorstellungen weitergetragen werden, über die man sich eigentlich ärgert.
Beim nächsten "Hast du gesehen …?" lohnt sich deshalb vielleicht ein zweiter Gedanke. Denn manchmal verrät der Satz danach weniger über den Menschen, über den du lästerst – und erstaunlich viel über dich.