Andrew Mountbatten-Windsor wurde am Donnerstag in Sandringham festgenommen. Ihm wird im Zusammenhang mit den sogenannten Epstein-Akten Amtsmissbrauch angelastet. Wie mehrere britische Medien berichten, ist es das erste Mal seit 1647, dass ein Mitglied der britischen Königsfamilie verhaftet wurde.
Schon am Donnerstagvormittag stellte sich der britische Premierminister Sir Keir Starmer den Fragen der Journalisten. Zu Andrew meinte er: "Niemand steht über dem Gesetz." Ob sich der Ex-Prinz freiwillig bei der Polizei melden sollte, dazu wollte Starmer aber nichts sagen. Nun meldet sich auch König Charles öffentlich zu Wort.
Der britische König veröffentlichte eine Stellungnahme: "Ich habe mit größter Besorgnis die Nachrichten über Andrew Mountbatten-Windsor und den Verdacht auf Amtsmissbrauch zur Kenntnis genommen. Was nun folgt, ist ein umfassender, fairer und ordnungsgemäßer Prozess, in dessen Rahmen diese Angelegenheit von den zuständigen Behörden in angemessener Weise untersucht wird", schreibt Charles.
Er fügt hinzu: "Wie ich bereits gesagt habe, haben sie dabei unsere uneingeschränkte Unterstützung und Zusammenarbeit. Lassen Sie mich klar sagen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen. Solange dieser Prozess andauert, wäre es nicht richtig, wenn ich mich weiter zu dieser Angelegenheit äußern würde. In der Zwischenzeit werden meine Familie und ich unsere Pflichten und unseren Dienst für Sie alle weiterhin erfüllen. Charles R."
Am Sandringham-Anwesen wurden kurz nach 8 Uhr sechs zivile Polizeiautos und rund acht Polizisten in Zivil gesehen. Andrew wohnt dort, seit er von der königlichen Familie ausgeschlossen wurde. Ausgerechnet an seinem Geburtstag – Andrew wird heute 66 – wurde er festgenommen.
Laut BBC wurde Andrew in eine Zelle gebracht, die nur mit einem Bett und einer Toilette ausgestattet ist. Dort wartet er nun auf seine Einvernahme. Polizeiexperte Danny Shaw betont: "Es wird für ihn keine Sonderbehandlung geben."
Die Polizei kann ihn höchstens 96 Stunden festhalten. Wahrscheinlicher ist aber, dass er nach 12 bis 24 Stunden entweder angeklagt oder freigelassen wird.
Die Polizei hat in den letzten Tagen die Vorwürfe gegen Andrew geprüft, die in den Jeffrey-Epstein-Akten aufgetaucht sind. Unter anderem geht es darum, dass er als britischer Handelsbeauftragter vertrauliche Informationen an den Pädophilen weitergegeben haben soll, wie der Telegraph berichtet.
Gegen Mittag veröffentlichte die Polizei eine Mitteilung: "Im Rahmen der Ermittlungen haben wir heute einen Mann in den Sechzigern aus Norfolk wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch festgenommen und führen Durchsuchungen an Adressen in Berkshire und Norfolk durch."
Weiter heißt es: "Der Mann befindet sich derzeit weiterhin in Polizeigewahrsam. Gemäß den nationalen Richtlinien werden wir den Namen des Festgenommenen nicht bekannt geben. Bitte beachten Sie auch, dass es sich um ein laufendes Verfahren handelt und daher bei der Berichterstattung Vorsicht geboten ist."
Nach einer gründlichen Prüfung haben wir nun eine Untersuchung zu einem Vorwurf des Amtsmissbrauchs eingeleitet. Es ist wichtig, dass wir die Integrität und Objektivität unserer Ermittlungen wahren, während wir gemeinsam mit unseren Partnern diesen mutmaßlichen Straftatbestand untersuchen. Wir sind uns des großen öffentlichen Interesses an diesem Fall bewusst und werden zu gegebener Zeit weitere Informationen bekannt geben."