Es geht um eine unfassbare Summe und Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind: Eine steirische Rechtsanwältin steht im dringenden Verdacht, als Erwachsenenvertreterin insgesamt 1,6 Millionen Euro ihrer Klienten veruntreut zu haben. Die mutmaßlichen Malversationen sollen bereits 2017 begonnen haben. Jetzt sind weitere Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingegangen.
Die Vorwürfe gegen die Juristin wurden im September bekannt. Seither sind weitere Fälle zur Anzeige gebracht worden. Ob dadurch auch die bislang kolportierte Schadenssumme von 1,6 Millionen Euro steigt, ist noch unklar. "Es ist korrekt, dass weitere Sachverhaltsdarstellungen eingegangen sind", bestätigt Christian Kroschl, Sprecher der Grazer Staatsanwaltschaft, gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Wie hoch der tatsächliche Schaden ist, müssen die Ermittlungen zeigen. "Das ist Gegenstand der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt die einzelnen angezeigten Sachverhalte umfassend", so Kroschl.
Ins Rollen kam die Causa, nachdem bei einem Gericht Unregelmäßigkeiten in der Kontoführung der Erwachsenenvertreterin aufgefallen waren. Daraufhin wurde die Steiermärkische Rechtsanwaltskammer verständigt. Diese forderte die Juristin zu einer Stellungnahme auf. Normalerweise folgt in solchen Fällen eine Sonderrevision. Doch dazu kam es offenbar nicht mehr. Die Anwältin legte ihr Mandat zurück, ihre Kanzlei ging in Konkurs.
"Mit der Zurücklegung hat die Frau sich unserer Aufsicht entzogen. Die Vorgänge in der Kanzlei unterlagen damit nicht mehr unserer Aufsichtspflicht, sondern der des Gerichts", erklärt Michael Kropiunig, Präsident der Steiermärkischen Rechtsanwaltskammer.
Die Kontrolle der Konten während einer Erwachsenenvertretung obliegt grundsätzlich dem zuständigen Gericht. Die Vertreter müssen jährlich über die Angelegenheiten der vertretenen Personen berichten und entsprechend Rechnung legen.
Zeitgleich mit der Zurücklegung ihres Mandats erstattete die beschuldigte Juristin Selbstanzeige. Dabei soll sie selbst die Summe von 1,6 Millionen Euro genannt haben. Die mutmaßlichen Malversationen reichen demnach bis ins Jahr 2017 zurück.
Die Anwältin soll zutiefst bereuen, was geschehen ist. In Anwaltskreisen sorgt die Causa für Entsetzen: "Für unseren Berufsstand ist diese Causa natürlich ein Horrorszenario", heißt es. Die Ermittlungen zu den angezeigten Sachverhalten laufen weiter.
Die in Konkurs befindliche Kanzlei der steirischen Juristin wird nun von einer Kommission der Rechtsanwaltskammer abgewickelt. Die betroffenen Klienten haben inzwischen neue Erwachsenenvertreter zur Seite gestellt bekommen.