Brisante Enthüllung rund um Europas Agrarförderungen: Die Herrscherfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate (u.a. Dubai, Abu Dhabi) profitiert offenbar massiv von EU-Subventionen.
Wie eine internationale Recherche von DeSmog gemeinsam mit Medien aus Spanien und Rumänien zeigt, flossen in nur sechs Jahren mehr als 71 Millionen Euro an Firmen, die von der Familie Al Nahyan – der zweitreichsten Familie der Welt – kontrolliert werden.
Das Geld stammt aus der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU, kurz GAP. Jedes Jahr werden dabei rund 54 Milliarden Euro an Bauern und ländliche Regionen verteilt. Eigentlich sollen damit europäische Landwirtschaftsbetriebe gestärkt werden. Doch ein Teil der Gelder landet offenbar bei internationalen Großinvestoren – darunter auch bei der reichsten Herrscherfamilie der Emirate.
„Die Königsfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate (...) erhält Geld von europäischen Steuerzahler*innen als 'Einkommensstützung'. Das muss man sich mal vorstellen!“Thomas WaitzÖsterreichischer EU-Abgeordneter (Grüne)
Den größten Anteil kassierte laut Recherche das rumänische Agrarunternehmen Agricost. Der Betrieb bewirtschaftet rund 57.000 Hektar Land – das entspricht fast der 15-fachen Fläche von Wien. Allein 2024 erhielt Agricost rund 10,5 Millionen Euro an Direktzahlungen aus Brüssel.
Hinter Agricost steckt der Agrarkonzern Al Dahra aus Abu Dhabi. Dieser wurde von Scheich Hamdan bin Zayed Al Nahyan gegründet, dem Bruder des Präsidenten der VAE. Später stieg auch der Staatsfonds ADQ ein.
Die VAE kaufen seit Jahren weltweit riesige Agrarflächen auf. Hintergrund ist die schwierige Versorgungslage im eigenen Land. Wegen Hitze, Wassermangel und Wüstenböden importieren die Emirate bis zu 90 Prozent ihrer Lebensmittel.
Besonders umstritten: Die Förderungen richten sich vor allem nach der Größe der bewirtschafteten Fläche. Große Agrarkonzerne profitieren dadurch deutlich stärker als kleine Bauernhöfe.
Der österreichische Grün-Abgeordnete Thomas Waitz spricht von einem "Skandal direkt vor unseren Augen". "Dieses Geld war nie für Konzerne der fossilen Brennstoffindustrie gedacht, sondern zur Stärkung europäischer Landwirte", so Waitz laut einem Bericht des britischen "Guardian".
"Die zweitreichste Familie der Welt, die einen Staat ohne freie Presse und ohne politische Opposition regiert, wird durch die Agrarpolitik der EU subventioniert. Das ist keine Gesetzeslücke, sondern ein Skandal, an Absurdität nicht zu überbieten", so Waitz in einer Presseaussendung.
Auch Umweltorganisationen schlagen Alarm. Faustine Bas-Defossez vom Europäischen Umweltbüro kritisiert: "Die Obergrenze hilft den EU-Landwirten nicht. Sie macht die reichsten Grundbesitzer noch reicher - und befeuert autokratische Regime."
Die EU-Kommission will das Fördersystem nun reformieren. Künftig sollen Agrarsubventionen pro Betrieb auf 100.000 Euro pro Jahr gedeckelt werden. Ob die Reform tatsächlich kommt, ist allerdings noch offen.
„99 % der hart arbeitenden europäischen Landwirtinnen und Landwirte erhalten weniger als 100.000 Euro an Subventionen.“Thomas Waitzspricht sich für eine Förder-Obergrenze aus
Die Familie Al Nahyan gilt mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 320 Milliarden Dollar als zweitreichste Familie der Welt. Ein Großteil des Geldes stammt aus den enormen Ölreserven der Emirate.
Während viele europäische Bauern ums Überleben kämpfen, landen Millionen aus Brüssel offenbar bei einer der reichsten Herrscherfamilien der Welt.