Bereits im August warnte der Traiskirchner Bürgermeister: Das Erstaufnahmezentrum sei nahezu ausgelastet, rund 1.800 Personen sind dort untergebracht. Das führt zu alarmierenden Bildern wie jenen, über die "Heute" vergangene Woche berichtete. Sie zeigten eine schier endlos lange Schlange bei der Essensausgabe. "Das BFA (Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl) schafft das nicht mehr", meinte ein Insider, es fehle schlicht am Personal.
Eine Besserung ist nicht in Sicht. Bis August 2022 wurden in Österreich 56.149 Asylanträge gestellt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das laut Innenministerium ein Plus von 195 Prozent. Gleichzeitig gibt es mit 31.500 Fällen einen Rekord an abgelehnten Anträgen. Die stärkste Gruppe im August waren, wie schon im Juli, Personen aus Indien, positive Bescheide gab es keinen einzigen.
Wie das "Ö1-Morgenjournal" berichtet, hat dieses Asyl-Chaos aber nichts mit den reinen Zahlen zu tun, sondern damit, dass die Bundesländer viel weniger Menschen aufnehmen als sie sollten. Auch der Ukraine-Krieg tut hier seinen Anteil: Viele der Plätze, die eigentlich für Asylwerber vorgesehen gewesen sind, sind aktuell mit ukrainischen Flüchtlingen belegt.
4.700 der 6.800 Menschen in Bundesversorgung sollten eigentlich bereits in den Quartieren der Länder untergebracht sein, sagt Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Die Hintergründe sind nicht ganz klar. Laut Lukas Gahleitner-Gertz von der Asylkoordination gibt es bei den Asylwerbern konstant gleiche Zahlen. "Hier ist es ein klares Management-Problem, dass man mit derselben Anzahl an Personen keine Lösung schafft."
Wegen der konstanten Zahlen hätten die Länder teilweise sogar Quartier zugesperrt. Diese würden nun natürlich fehlen. Eine mögliche Lösung wäre nun, dass man private Unterkunftgeber besser entlohnt.
Caritas, Diakonie, Volkshilfe, Amnesty, Integrationshaus, Samariterbund und SOS-Mitmensch haben deswegen auch einen 7-Punkte-Plan vorgelegt. Durch seine Unfähigkeit, die Unterbringung von Geflüchteten adäquat sicher zu stellen, drohe der Staat Österreich Menschenrechte zu verletzen, bringt es die Geschäftsführerin von Amnesty International Österreich, Annemarie Schlack, auf den Punkt.
"Wien und die Bundesquartiere tragen im Moment die Hauptlast. Jetzt sind die Bundesländer, Gemeinden und Städte gefordert, dringend Quartiere zu organisieren. Wir als Hilfsorganisationen stehen bereit, die Unterbringung und Begleitung zu übernehmen, sofern die finanziellen Rahmenbedingungen endlich den realen Kosten angepasst werden", sagt nna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich.