Was früher nur Klimaforscher beschäftigte, ist jetzt Chefsache: Der mögliche Kollaps der Atlantischen Umwälzströmung (AMOC) gilt nicht mehr als abstraktes Risiko, sondern als reale Bedrohung - auch für Europas Sicherheit. Neue Studien, Geheimdienste und nationale Behörden schlagen Alarm.
Die AMOC ist so etwas wie die Wärmepumpe Europas. Sie bringt warmes Wasser aus den Tropen nach Norden, hält unser Klima mild und stabilisiert das globale Klimasystem. Doch durch den Klimawandel und das Schmelzwasser aus Grönland wird dieses "Förderband" geschwächt. Satellitendaten zeigen bereits eine Verlangsamung - und damit die Annäherung an einen möglichen Kipppunkt.
Wissenschaftler wie Stefan Rahmstorf (Potsdam-Institut) und René van Westen (Uni Utrecht) warnen: Wird der Nordatlantik zu stark mit Süßwasser verdünnt, könnte die Strömung abrupt zusammenbrechen. Was dann droht, ist kein Zukunftsszenario mehr, sondern eine konkrete Gefahr.
Die Folgen wären verheerend: Temperatursturz in Europa um bis zu 10 Grad, heftigere Stürme und Hochwasser, Ernteausfälle, Energieprobleme, überlastete Infrastruktur sowie globale Auswirkungen auf Monsune, Tropenregen und CO2-Kreisläufe stünden auf der Tagesordnung.
Kein Wunder, dass das Thema inzwischen bei Regierungen und Geheimdiensten aufpoppt: Island stuft die AMOC offiziell als "nationale Sicherheitsbedrohung" ein. Großbritannien investiert umgerechnet 93 Millionen Euro in ein Frühwarnsystem für Kipppunkte - mit dem Ziel, die nationale Resilienz gegenüber abrupten Klimaveränderungen zu erhöhen.
In österreichischen Regierungsdokumenten (z.B. Nationaler Energie‑ und Klimaplan sowie Klimastrategien) wird der globale Klimawandel als Systemrisiko gesehen, das Energieversorgung, Infrastruktur und Wirtschaft bedroht.
Auch deutsche Nachrichtendienste behandeln Klimakipppunkte in der nationalen Klimarisikoanalyse (NiKE) mittlerweile als sicherheitsrelevant. Die EU plant neue Satellitenmissionen zur Beobachtung ozeanischer Veränderungen.
Besonders brisant: Die Kettenreaktionen betreffen nicht nur Wetter und Umwelt, sondern auch Energieversorgung, Lebensmittelpreise und politische Stabilität. Fakt ist: Die AMOC ist mehr als nur eine Meeresströmung - sie wird zum globalen Risiko. Wenn sie kippt, kippt auch Europas Sicherheit.