Im Nordatlantik wird das Leben für Wale immer schwieriger: Erwärmte Meere, schrumpfende Mengen an Beutetiere sowie Schifffahrt setzen den Meeressäugern zu. Doch die sanften Riesen zeigen erstaunliche Fähigkeiten, um sich anzupassen - wie eine neue Studie zeigt, die fast drei Jahrzehnte an Daten aus dem Sankt-Lorenz-Golf vor Kanada ausgewertet hat.
Wissenschaftler analysierten über 1.000 Hautproben von Finn-, Buckel- und Zwergwalen. Das Ergebnis: Die Tiere haben ihre Ernährung laufend angepasst - von Krill hin zu Fisch wie Hering oder Makrele. Gleichzeitig zeigt sich: Die Wale teilen sich ihre Ressourcen besser, um Konkurrenz zu vermeiden. Einfach gesagt: Sie lernen das Zusammenleben neu.
"Sehr mobile Arten wie Bartenwale ändern ihr Fressverhalten, um Konflikte zu minimieren", erklärt Studienautorin Charlotte Tessier-Larivière. Besonders deutlich ist der Wandel bei Finnwalen: In den 1990ern noch Krill-Fresser, setzen sie nun auf fischreichere Kost. Auch Zwergwale nahmen zunehmend Krill auf, während Buckelwale bei ihren Lieblingsfischen blieben.
Diese Umstellungen deuten laut Forschern auf ein klares Zeichen hin: Der Krill-Bestand in der Arktis nimmt ab. Doch damit nicht genug - auch das Fressverhalten wird effizienter. Buckelwale perfektionieren etwa die sogenannte "Blasennetzfütterung": Gemeinsam erzeugen sie Blasenwolken, um Fischschwärme zu bündeln - und dann im Team zu fressen.
"Das ist nicht nur ein Trick, sondern geteiltes Wissen, das die ganze Population stärkt", betont Éadin O'Mahony von der Universität St Andrews. Die Forscher fordern, die Tierverhalten stärker ins Meeresmanagement einzubeziehen - denn die Folgen des Klimawandels für die Meere nehmen rasant zu.
Erwärmte Ozeane verändern Plankton- und Krill-Vorkommen - die Hauptnahrung vieler Walarten. Manche Arten müssen aufgrund von Nahrungsengpässen weiter wandern oder hungern. Temperaturveränderungen verschieben zudem die Wanderrouten - das kann zu mehr Kollisionen mit Schiffen führen.
Hinzu kommen lautere Meere: Mehr Schiffsverkehr auf neuen Routen (z.B. durch schmelzendes Polareis) stört durch intensiveren Lärm die Kommunikation der Tiere.