Unaufhaltsam rücken die russischen Soldaten vor, ein Ort nach dem anderen fällt in ihre Hände. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der gesamte Donbass erobert ist. Das zumindest ist die Propaganda-Erzählung, die Kreml-Kriegstreiber Wladimir Putin überall verbreitet wissen will.
Die Realität sieht anders aus: Seine dreitägige "Spezialoperation" befindet sich bereits im fünften Jahr. 2025 konnten nur 0,8 Prozent der Ukraine eingenommen werden. Der große ukrainische Festungsgürtel im Donbass ist allerdings noch unangetastet.
"Dieser Kampf wird Russland noch viel Zeit, Energie, Personal und Material kosten. Laut unseren Daten wird Moskau nicht einmal die Oblast Donezk vor August 2027 unter Kontrolle bekommen", sagt Christina Harward vom Institute for the Study of War (ISW). Das allerdings nur unter der Prämisse, dass Putins Soldaten ihr Vormarschtempo halten können.
An Teilen der Front hat sich das Blatt in den vergangenen Wochen aber gewendet. Den Ukrainern ist es bei Saporischschja gelungen, selbst Gelände zurückzugewinnen. Einer der Hauptgründe ist, dass die russische Armee vom Starlink-Netzwerk abgeschnitten wurde. Dazu kommt noch das Telegram-Chaos.
Damit sind gleich zwei wichtige Kommunikationskanäle ausgefallen oder gestört: "Wer nicht kommunizieren kann, hat trotz modernster Technologie einen gewaltigen Nachteil auf dem Schlachtfeld", wird Marina Miron vom Londoner King’s College am Dienstag durch den ORF zitiert.
Putins Soldaten bezahlen dieses Chaos mit ihrem Blut. Sie erleiden derzeit überproportional viele Verluste – deutlich mehr als die Ukrainer. Genau deshalb würde Putin auch auf internationaler Bühne den starken Mann mimen und behaupten, dass sein militärischer Sieg unausweichlich sei.
Das soll die westlichen Verbündeten dazu bringen, Kyjiw zu weitreichenden Zugeständnissen zu zwingen – "in der Hoffnung, dass man ihm das Territorium quasi auf dem Silbertablett aushändigt", sagt ISW-Expertin Harward.
Damit würde auch der ukrainische Festungsgürtel, ohne auch nur einen Straßenzug eingenommen zu haben, an die Russen gehen. Sollte Putin nach einem Waffenstillstand wieder in der Ukraine einfallen, hätten seine Schergen an diesem Frontbereich eine deutlich überlegene Ausgangslage.
Es ist ein Manöver, das leicht durchschaubar ist, sagt Harward. Allerdings gibt es einen mächtigen Mann, der sich offenbar dennoch davon einlullen und über den Tisch ziehen lässt: US-Präsident Donald Trump.