Zugbegleiter über Attacken

"Auf Schädel geschlagen" – Immer mehr Gewalt in Zügen

Offene Aggressionen in den Waggons: Eine neue Befragung zeigt, wie hart der Alltag für Zugbegleiter ist. Ein Betroffener berichtet.
Michael Pollak
29.09.2026, 18:27
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Für viele Zugbegleiter wird der Dienst zur Gefahr. Neue Zahlen zeigen, wie ernst die Lage ist. Bei einer Befragung von ÖGB und Gewerkschaft vida Tirol gaben 89 Prozent an, im Dienst bereits beschimpft worden zu sein. 69 Prozent wurden bedroht, jeder Dritte sogar körperlich angegriffen. Mehr als ein Drittel fühlt sich bei der Arbeit eher nicht oder gar nicht sicher.

Einer, der solche Angriffe selbst erlebt hat, ist Muhammed Bakir. Der 40-Jährige arbeitet seit vielen Jahren als Zugbegleiter im Osten Österreichs.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Plötzlich wurde Muhammed selbst zum Opfer

Es ist Sommer, Bakir ist in der Schnellbahn S2 unterwegs. Der Zug fährt von Laa an der Thaya (NÖ) über Wien nach Mödling (NÖ). Kurz vor der Endstation kontrolliert er mit seinem Kollegen die Fahrscheine.

Dann eskaliert die Situation: "Mein Teamkollege wird plötzlich attackiert, einer hat ihm auf den Schädel geschlagen."

Bakir greift ein und versucht, die Lage zu beruhigen. Doch plötzlich richtet sich die Gewalt gegen ihn: "Dann wurde ich zur Zielscheibe, ich bin attackiert worden."

Erzähle uns deine Story!

Wurde dir eine Beihilfe gestrichen? Kannst du dir das Leben kaum mehr leisten? Ist dir gerade etwas besonders Trauriges, Witziges oder Erstaunliches geschehen? Bewegt dich ein anderes Thema? Bist du der Meinung, dass deine Geschichte erzählt werden sollte? Dann melde dich bei uns unter [email protected]. Denn deine Story ist uns wichtig!Mail an uns

Erst die Polizei konnte die Situation schließlich beruhigen. Bakir wurde bei dem Angriff schwer verletzt: "Ich hatte einen Nasenbeinbruch, schwere Verletzungen in der Augenhöhle, ein Zahn war ausgebrochen."

Auslöser für die Eskalation war ein fehlender Fahrschein: Der Sohn des Angreifers hatte kein Ticket und konnte sich nicht ausweisen.

"Zwischen die Beine getreten"

Die Attacke war kein Einzelfall. Bei einem anderen Dienst auf der Südstrecke sollte ein Obdachloser den Zug verlassen. "Bald eskalierte die Lage", sagt Bakir. Der Mann brüllte und schimpfte. Dann wurde aus der verbalen Auseinandersetzung erneut körperliche Gewalt.

"Er stand auf und hat meine Kollegin zwischen die Beine getreten!" Bakir überwältigte den Mann und hielt ihn fest, bis die Polizei eintraf.

Die Erlebnisse haben Spuren hinterlassen. "Ich bin vorsichtiger geworden", sagt der 40-Jährige. "Ich denke schon daran, wenn Fahrgäste aggressiv sind, denn es gibt nichts, was es im Zug nicht gibt!"

Jeder Fünfte denkt ans Aufhören

Dass solche Erfahrungen den Berufsalltag massiv belasten können, zeigen auch die neuen Zahlen aus Tirol. Zwei Drittel der Befragten erleben während einer Fahrt mittlere bis starke Stresssituationen. Für 87 Prozent hängt der Stress mit Situationen mit Fahrgästen zusammen.

74 Prozent empfinden es zudem als besonders belastend, Konflikte alleine bewältigen zu müssen. Jeder Fünfte gab bei der Befragung an, in fünf Jahren nicht mehr als Zugbegleiter arbeiten zu wollen.

POM,29.09.2026, 18:27
Mehr zum Thema