Für viele Zugbegleiter wird der Dienst zur Gefahr. Neue Zahlen zeigen, wie ernst die Lage ist. Bei einer Befragung von ÖGB und Gewerkschaft vida Tirol gaben 89 Prozent an, im Dienst bereits beschimpft worden zu sein. 69 Prozent wurden bedroht, jeder Dritte sogar körperlich angegriffen. Mehr als ein Drittel fühlt sich bei der Arbeit eher nicht oder gar nicht sicher.
Einer, der solche Angriffe selbst erlebt hat, ist Muhammed Bakir. Der 40-Jährige arbeitet seit vielen Jahren als Zugbegleiter im Osten Österreichs.
Es ist Sommer, Bakir ist in der Schnellbahn S2 unterwegs. Der Zug fährt von Laa an der Thaya (NÖ) über Wien nach Mödling (NÖ). Kurz vor der Endstation kontrolliert er mit seinem Kollegen die Fahrscheine.
Dann eskaliert die Situation: "Mein Teamkollege wird plötzlich attackiert, einer hat ihm auf den Schädel geschlagen."
Bakir greift ein und versucht, die Lage zu beruhigen. Doch plötzlich richtet sich die Gewalt gegen ihn: "Dann wurde ich zur Zielscheibe, ich bin attackiert worden."
Erst die Polizei konnte die Situation schließlich beruhigen. Bakir wurde bei dem Angriff schwer verletzt: "Ich hatte einen Nasenbeinbruch, schwere Verletzungen in der Augenhöhle, ein Zahn war ausgebrochen."
Auslöser für die Eskalation war ein fehlender Fahrschein: Der Sohn des Angreifers hatte kein Ticket und konnte sich nicht ausweisen.
Die Attacke war kein Einzelfall. Bei einem anderen Dienst auf der Südstrecke sollte ein Obdachloser den Zug verlassen. "Bald eskalierte die Lage", sagt Bakir. Der Mann brüllte und schimpfte. Dann wurde aus der verbalen Auseinandersetzung erneut körperliche Gewalt.
"Er stand auf und hat meine Kollegin zwischen die Beine getreten!" Bakir überwältigte den Mann und hielt ihn fest, bis die Polizei eintraf.
Die Erlebnisse haben Spuren hinterlassen. "Ich bin vorsichtiger geworden", sagt der 40-Jährige. "Ich denke schon daran, wenn Fahrgäste aggressiv sind, denn es gibt nichts, was es im Zug nicht gibt!"
Dass solche Erfahrungen den Berufsalltag massiv belasten können, zeigen auch die neuen Zahlen aus Tirol. Zwei Drittel der Befragten erleben während einer Fahrt mittlere bis starke Stresssituationen. Für 87 Prozent hängt der Stress mit Situationen mit Fahrgästen zusammen.
74 Prozent empfinden es zudem als besonders belastend, Konflikte alleine bewältigen zu müssen. Jeder Fünfte gab bei der Befragung an, in fünf Jahren nicht mehr als Zugbegleiter arbeiten zu wollen.