Mitten auf der Fahrbahn steht ein Mann mit dem Handy in der Hand, während mehrere Autos langsam an ihm vorbeifahren. Dahinter reihen sich weitere Fahrzeuge auf. Was wie ein spontanes Fotoshooting aussieht, sorgt mitten in der Wiener Innenstadt für Ärger. Denn während für die Kamera posiert wird, kommt der übrige Verkehr nur schleppend voran.
Ein aktuelles "Krone"-Video, zeigt das Gehabe der Autoposer aus der Vogelperspektive. Zu sehen sind mehrere dunkle Fahrzeuge, die in der engen Straße unterwegs sind. Ein Mann bewegt sich mit seinem Handy auf der Fahrbahn, offenbar um die vorbeifahrenden Autos zu filmen. Später schwenkt die Kamera über die Straße, auf der sich zahlreiche Fahrzeuge dicht aneinanderreihen. Die roten Bremslichter leuchten, während sich die Autokolonne langsam durch die Innenstadt schiebt.
Für die Anrainer sind solche Szenen längst kein Einzelfall.
Besonders rund um die Tuchlauben, den Hohen Markt und die Rotenturmstraße ist der Ärger groß. Dort drehen auffällige Fahrzeuge immer wieder ihre Runden durch die engen Innenstadtgassen. Die Beschwerden der Bewohner ähneln sich: Aufheulende Motoren, laute Musik, Hupkonzerte und stockender Verkehr belasten den Alltag seit Monaten.
In Online-Gruppen machen zahlreiche Betroffene ihrem Ärger Luft. Sie verlangen, dass endlich wirksame Maßnahmen gegen die Autoposer gesetzt werden. Denn für viele Anrainer ist die Situation längst mehr als nur ein gelegentliches Ärgernis. Besonders die wiederkehrende Lärmbelastung sorgt für Unmut.
Dabei haben die Behörden bereits Maßnahmen gesetzt. Wie die "Krone" berichtet, verweist der Bezirk auf Schwerpunktkontrollen gegen die Autoposer. Bei diesen wurden demnach bereits mehr als 500 Anzeigen erstattet. Auch für Oktober sind weitere Kontrollen angekündigt.
Doch die hohe Zahl an Anzeigen scheint das Problem aus Sicht vieler Betroffener nicht ausreichend zu lösen. In Online-Diskussionen wird deshalb zunehmend bezweifelt, dass Schwerpunktkontrollen allein ausreichen, um die Autoposer dauerhaft aus den Innenstadtgassen zu verdrängen.
Die Kritik der Bewohner: Solange die Fahrzeuge weiterhin regelmäßig durch dieselben Straßen fahren, bleiben Lärm und Verkehrsbehinderungen bestehen.
Eine mögliche Lösung wird bereits seit Monaten diskutiert: ein Nachtfahrverbot für bestimmte Bereiche der Wiener Innenstadt. Damit könnte zumindest während der Nachtstunden der Fahrzeugverkehr eingeschränkt werden. Doch über die Umsetzung herrscht offenbar Uneinigkeit.
Der Bezirk verweist auf rechtliche und verkehrstechnische Schwierigkeiten, die von der zuständigen Magistratsabteilung 46 gesehen werden. Ein allgemeines Fahrverbot würde schließlich nicht nur Autoposer betreffen. Auch Bewohner, Hotelgäste und Besitzer von Garagen könnten dadurch eingeschränkt werden.
Außerdem besteht die Gefahr, dass sich die Autoposer einfach andere Straßen suchen und sich das Problem dadurch in benachbarte Gassen verlagert.
Für zusätzliche Diskussionen sorgt nun eine Stellungnahme aus dem Büro von Wiens Verkehrsstadträtin Ulli Sima. Dort wird ein allgemeines Nachtfahrverbot grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied zwischen den Darstellungen von Stadt und Bezirk: Laut Simas Büro liegt bei der zuständigen MA 46 derzeit kein entsprechender Antrag des Bezirks vor.
Der Bezirk verweist hingegen auf einen Beschluss der Bezirksvertretung vom 18. Juni. Damals wurde die Prüfung von Maßnahmen beschlossen, darunter auch mögliche Fahrgebote und Fahrverbote. Ob dieser Prüfauftrag bereits als formeller Antrag für ein konkretes Nachtfahrverbot zu verstehen ist, bleibt angesichts der unterschiedlichen Aussagen offen.
Verkehrsstadträtin Ulli Sima spricht sich unterdessen für weitere gesetzliche Verschärfungen gegen die Autoposer-Szene aus. Der Bezirk setzt vorerst weiterhin auf polizeiliche Schwerpunktkontrollen. Für die betroffenen Bewohner bedeutet das allerdings, dass eine rasche Lösung noch nicht absehbar ist.
Denn selbst mehr als 500 Anzeigen haben nach den vorliegenden Beschwerden bisher nicht dafür gesorgt, dass in den betroffenen Innenstadtgassen dauerhaft Ruhe einkehrt.
Während Stadt und Bezirk über mögliche Fahrverbote und deren Umsetzung diskutieren, bleibt die zentrale Frage ungelöst: Wie kann verhindert werden, dass die Straßen der Wiener Innenstadt weiterhin als Bühne für laute Autoshows genutzt werden?