Geht eigenen Weg

Bäcker-Erbe Mann: "Ordne ihm nicht mein Leben unter"

Eine Bäckerei-Dynastie im Wandel: Michael Mann führt den Betrieb in fünfter Generation – doch beim Arbeitseinsatz will er nicht seinen Vater kopieren.
31.10.2026, 15:51
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Seit diesem Jahr ist Michael Mann (48) Eigentümer der Wiener Bäckereikette "Der Mann". Der gelernte Bäcker führt damit ein traditionsreiches Familienunternehmen in fünfter Generation weiter. Doch eines stellt er klar: Sein Leben soll nicht ausschließlich aus Arbeit bestehen.

Sein Vater Kurt Mann hat die Bäckereikette jahrzehntelang geprägt und stark ausgebaut. Der Sohn bewundert diese Leistung, will bei der Unternehmensführung aber einen anderen Weg einschlagen. "Ich mache den Job gern. Aber ich ordne mein Leben nicht der Bäckerei unter", erklärt Michael Mann im Interview mit dem "Standard".

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Mein Vater hat dafür gelebt"

Für Michael Mann war der Einstieg in die Unternehmensführung keineswegs selbstverständlich. Er habe sich lange gefragt, ob er die Nachfolge seines Vaters überhaupt antreten solle. Dahinter stand auch die Sorge, an dessen Leistung gemessen zu werden und das Unternehmen als jüngere Generation womöglich nicht ebenso erfolgreich führen zu können.

Kurt Mann hatte den Familienbetrieb ab den 1970er-Jahren in Wien massiv ausgebaut. Michael Mann stieg 2018 in die Geschäftsführung ein. Dass Vater und Sohn unterschiedliche Vorstellungen hatten, blieb dabei nicht ohne Konflikte.

Zwei Generationen prallen aufeinander

Seine erste Filiale übernahm Michael Mann in Wiener Neustadt – vergleichsweise weit entfernt vom direkten Einfluss seines Vaters. Im Rückblick beschreibt er die damalige Zusammenarbeit als schwierig. Zwei unterschiedliche Welten seien aufeinandergeprallt.

Mit den Jahren habe sich das Verhältnis verbessert, weil das gegenseitige Vertrauen gewachsen sei. Inzwischen kommt der Vater nach Angaben des Sohnes nur noch an wenigen Tagen pro Woche in den Betrieb. Vor zwei Jahren wäre ein solcher Rückzug noch kaum vorstellbar gewesen. Vollständig abgeschlossen sieht Michael Mann den Generationenwechsel dennoch nicht.

Familie statt Gesellschaftspartys

Ein weiterer Unterschied betrifft den Lebensstil. Während Kurt Mann auch abseits des Betriebs gern bei gesellschaftlichen Veranstaltungen präsent ist, liegt seinem Sohn diese Rolle weniger.

Michael Mann ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit seiner Familie auf einem Bauernhof in Baden. Dort gehören auch Hühner, Schweine und Pferde zum Alltag. Neben dem Unternehmen möchte er Zeit für Familie und Hobbys behalten. Die Vorstellung, sein Leben vollständig der Firma unterzuordnen, lehnt er ab.

Ganz gemütlich geht es für den Unternehmer trotzdem nicht zu. Er beschreibt sich selbst als ständig unausgeschlafen und hält die frühen Morgenstunden zwischen sechs und acht Uhr für besonders produktiv.

Chef kontrolliert seine Filialen selbst

Obwohl er bei der Unternehmensführung stärker auf die Zusammenarbeit mit Spezialisten setzt, schaut Michael Mann im täglichen Geschäft genau hin. So besucht er auch persönlich seine Filialen, um sich ein Bild von Angebot und Service zu machen.

Bei Einstellungsgesprächen scherze er sogar darüber, dass er sein Aussehen verändern könne und Beschäftigte sich deshalb überraschen lassen sollten. Die Tradition, als Chef selbst in den Filialen nach dem Rechten zu sehen, führt er damit fort.

Keine 100 Filialen um jeden Preis

Bei der Expansion setzt Mann nicht auf Wachstum um jeden Preis. Derzeit betreibt das Unternehmen 83 Filialen, beschäftigt rund 850 Mitarbeiter und erwirtschaftet etwa 78 Millionen Euro Umsatz. Ob daraus eines Tages 100 Standorte werden, ist für den Unternehmer zweitrangig. Er könne sich auch mit 70 gut arrangieren, erklärt er.

Besonders in der Wiener Innenstadt sieht er die hohen Mieten als Problem. Größere Filialen und zusätzliche Standorte im Wiener Umland erscheinen ihm attraktiver. Dort könnten Bäckereien auch Aufgaben übernehmen, die früher klassische Gasthäuser erfüllten.

Verkauf derzeit kein Thema

Einen Verkauf des Familienunternehmens schließt Michael Mann für die Zukunft nicht grundsätzlich mit einer unumstößlichen Garantie aus. Solange der Betrieb erfolgreich läuft, sieht er dafür allerdings keinen Grund.

Vielmehr hofft er, dass eines Tages seine eigenen Kinder die Familientradition fortsetzen könnten. Mit seinem jüngeren Bruder Philipp, der für die Logistik verantwortlich ist, arbeitet bereits die nächste Generation im Unternehmen.

Für Michael Mann steht fest, dass sich eine neue Zeit nicht mit denselben Methoden gestalten lässt wie die vergangenen Jahrzehnte. Den Familienbetrieb will er erfolgreich weiterführen – allerdings ohne dafür auf ein Leben außerhalb der Bäckerei verzichten zu müssen.

red, Akt. 31.10.2026, 16:32, 31.10.2026, 15:51
Mehr zum Thema
Weitere Storys