Bäcker-Boss packt aus

Zu wenig Semmeln? Davor haben Männer Angst

Männer kaufen sonntags mehr und achten weniger auf den Preis – das beobachtet Bäcker-Chef Michael Mann. Eine Supermarktöffnung wäre für ihn heikel.
30.10.2026, 16:50
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Wer am Sonntag beim Bäcker die Semmeln fürs Frühstück holt, nimmt offenbar manchmal mehr mit als ursprünglich geplant. Zumindest beobachtet das Michael Mann (48), Chef der Wiener Bäckereikette "Der Mann", bei seinen Kunden.

Vor allem Männer würden am Wochenende großzügiger zugreifen und weniger genau auf die Preise schauen. Für das Unternehmen ist der Sonntag deshalb ein besonders wichtiger Geschäftstag.

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Männer wollen nicht zu wenig kaufen

Im Gespräch mit dem "Standard" erklärt Mann, warum Männer aus seiner Sicht beim Sonntagseinkauf mehr ausgeben. "Sie sind eher besorgt, zu wenig zu kaufen", sagt der Bäckerei-Chef. Frauen würden nach seiner Beobachtung vielfach vernünftiger und preisbewusster einkaufen.

Dass Männer tatsächlich generell weniger auf Preise achten, ist damit allerdings nicht wissenschaftlich belegt. Mann schildert seine Erfahrungen aus dem Geschäft seiner Bäckereikette. Eine weitere Besonderheit des Sonntags: Kunden seien am Wochenende insgesamt weniger preissensibel als unter der Woche.

Für einen Betrieb mit vielen Filialen kann sich das unmittelbar im Umsatz bemerkbar machen.

Supermarktöffnung wäre ein Problem

Gerade deshalb verfolgt Mann die Diskussion über mögliche Sonntagsöffnungen im Lebensmittelhandel mit besonderem Interesse. Sollten künftig auch Supermärkte regelmäßig sonntags öffnen, würde das zum Problem: "Das würden wir spüren."

Denn während Supermärkte einen Großteil des österreichischen Backwarenmarktes abdecken, profitieren viele eigenständige Bäckereien noch vom Wochenendgeschäft.

Wer am Sonntag frisches Gebäck benötigt, steuert häufig eine Bäckerei an. Würden zusätzlich Supermärkte öffnen, hätten Kunden mehr Einkaufsmöglichkeiten. Für Mann wäre das eine zusätzliche Verschärfung des Wettbewerbs.

Bäckereien leben längst nicht nur vom Brot

Auch unter der Woche hat sich das Geschäft verändert. Viele Bäckereifilialen leben inzwischen nicht mehr allein davon, Brot und Gebäck zu verkaufen. Kaffee, Snacks und kleinere Mahlzeiten sind für die Umsätze wesentlich geworden.

Deshalb bereitet Mann auch die veränderte Arbeitswelt Sorgen. Wer nicht mehr täglich ins Büro fährt, kauft möglicherweise seltener unterwegs Kaffee oder einen Imbiss.

Seit der Corona-Pandemie vermisst der Unternehmer nach eigenen Worten Kunden, die früher regelmäßig seine Filialen besucht haben.

Gleichzeitig bleibt die Konkurrenz durch die Lebensmittelketten enorm. Nach seiner Darstellung entfällt auf klassische Bäcker nur noch ein kleiner Teil des gesamten Backwarenbedarfs.

Sonntag bleibt für viele Filialen wichtig

Die Bäckereikette "Der Mann" betreibt derzeit 83 Filialen und beschäftigt rund 850 Menschen. Michael Mann sieht weitere Chancen insbesondere in größeren Standorten und im Wiener Umland. Dort übernehmen Bäckereifilialen teilweise auch die Rolle von Treffpunkten und Nahversorgern. Auf dem Land seien manche seiner Standorte sieben Tage in der Woche für die Menschen da, schildert er.

Das Sonntagsgeschäft bleibt für den Bäckerei-Chef somit ein wichtiger Vorteil gegenüber dem klassischen Lebensmittelhandel. Und zumindest nach seiner persönlichen Beobachtung tragen dazu auch jene Männer bei, die beim Frühstückseinkauf lieber ein bisschen zu viel als zu wenig mit nach Hause bringen.

red, 30.10.2026, 16:50
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