Bahnfahren bleibt in Österreich gefragt: Im Vorjahr wurden bereits 15,1 Milliarden Personenkilometer auf der Schiene zurückgelegt – um 100 Millionen mehr als im Jahr davor. Auch viele Niederösterreicher steigen häufiger in den Zug.
Aber: Niederösterreichs Fahrgäste wünschen deutliche Verbesserungen beim Bahnfahren. Das ist ein zentrales Ergebnis des diesjährigen VCÖ-Bahntests, bei dem in den Zügen von neun Bahnunternehmen 11.257 Fahrgäste befragt wurden.
Am VCÖ-Bahntest 2026 nahmen insgesamt 11.257 Fahrgäste in den Zügen von neun Bahnunternehmen teil (Außerfernbahn – DB Regio, Graz Köflacher Bahn, Mariazellerbahn, ÖBB, Raaberbahn, Salzburger Lokalbahn, Steiermarkbahn, WESTbahn, Zillertalbahn). Befragungszeitraum Mai und Juni 2026. Mehr Infos unter: https://vcoe.at/
Beim aktuellen VCÖ-Bahntest gaben 28 Prozent der Fahrgäste aus Niederösterreich an, in den vergangenen zwölf Monaten häufiger Bahn gefahren zu sein. 66 Prozent nutzten die Bahn gleich oft, nur sechs Prozent seltener.
Trotz des Bahn-Booms gibt es Kritik. Besonders groß ist der Ärger über Zugausfälle, Störungen und Schienenersatzverkehr. 58 Prozent der niederösterreichischen Fahrgäste haben hier eine Verschlechterung festgestellt. Das ist der höchste Wert aller Bundesländer.
Auch die Pünktlichkeit sorgt für Frust. 40 Prozent sagen, dass sie sich zuletzt verschlechtert habe. Insgesamt sind sogar 42 Prozent der niederösterreichischen Fahrgäste mit der Pünktlichkeit unzufrieden – ebenfalls der schlechteste Wert im Bundesländer-Vergleich.
Ein weiterer großer Kritikpunkt ist das Preis-Leistungsverhältnis. Fast jeder zweite Befragte, konkret 47 Prozent, ist überzeugt, dass sich dieses in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert hat.
Probleme gibt es außerdem beim Zusammenspiel von Bus und Bahn. 42 Prozent der Fahrgäste sehen bei der Abstimmung eine Verschlechterung. Für Pendler kann das besonders unangenehm werden, wenn bereits wenige Minuten Verspätung dazu führen, dass der Anschluss weg ist.
Das zeigt sich auch bei den verpassten Verbindungen: 57 Prozent der niederösterreichischen Fahrgäste verpassen mehrmals pro Jahr einen Anschluss. Mehr als die Hälfte davon passiert das sogar mehrmals im Monat oder noch häufiger. "Die Fahrgäste zeigen beim VCÖ-Bahntest sehr deutlich auf, in welchen Bereichen Verbesserungen besonders dringend und wichtig sind. Heuer sehen viele Fahrgäste auch bei den Kernaufgaben großen Handlungsbedarf", stellt VCÖ-Experte Michael Schwendinger fest.
VCÖ-Experte Michael Schwendinger fordert deshalb eine bessere Abstimmung zwischen Bus und Bahn. Häufigere Regionalverbindungen könnten ebenfalls helfen, weil sich dadurch nach einem verpassten Anschluss die Wartezeit verkürzt.
Doch nicht alles wird schlechter bewertet. Besonders positiv sehen die Befragten die Buchungs- und Reservierungsmöglichkeiten sowie Information und Service. Jeweils 82 Prozent stellten hier Verbesserungen fest. Beim allgemeinen Komfort des Bahnfahrens sind es sogar 85 Prozent.
Auch bei der Barrierefreiheit der Waggons und bei der Anwesenheit von Zugpersonal sieht eine deutliche Mehrheit Fortschritte. Besonders gut schneidet das Personal selbst ab: 98 Prozent erleben die Mitarbeiter als hilfsbereit, 96 Prozent als freundlich.
Bei internationalen Bahnreisen sehen die Niederösterreicher dagegen noch Luft nach oben. Jeder vierte Fahrgast wünscht sich mehr Direktverbindungen in europäische Metropolen. 33 Prozent fordern außerdem Verbesserungen beim Suchen, Finden und Buchen internationaler Zugreisen.
Gleichzeitig wird die Bahn bereits häufig für Urlaubsreisen genutzt. 34 Prozent der Befragten sind in den vergangenen zwölf Monaten mit einem Tagzug in den Urlaub gefahren, zwölf Prozent mit einem Nachtzug. Weitere 21 Prozent planten eine Bahnreise für den Urlaub.
Die Zufriedenheit bei solchen Reisen ist hoch: 92 Prozent der niederösterreichischen Bahnurlauber zeigten sich zufrieden. Für den VCÖ-Bahntest 2026 wurden im Mai und Juni insgesamt 11.257 Fahrgäste in Zügen von neun Bahnunternehmen befragt.