Brutalo-Attacke auf Parkplatz

Balkan-Clan kämpfte mit Eisenstangen um Familienehre

Wegen einer Racheaktion auf einem Parkplatz musste sich eine Großfamilie vor Gericht verantworten. Für vier von fünf Angeklagte gab es Haftstrafen.
Christian Tomsits
14.04.2026, 14:41
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Buntes Treiben am Dienstagmorgen am Landesgericht Wr. Neustadt (NÖ). Eine ganze serbisch-stämmige Großfamilie musste sich wegen gemeinschaftlicher, absichtlicher, schwerer Körperverletzung verantworten. Ein simpler Streit vor einem Balkan-Lokal war zu einer veritablen Roma-Familienfehde expandiert.

Anfang Jänner flogen zu später Stunde vor einem bekannten Nachtclub in Wien-Ottakring Fäuste und Glasflaschen – ein Beteiligter erlitt eine Schnittwunde am Daumen, einer einen Nasenbeinbruch. Daraufhin waren eine 50-Jährige und ihr Ex-Mann (52) samt gemeinsamem Sohn (23) sowie einem weiteren Verwandten (48) mit dessen Spross (21) offenbar auf Rache aus, da laut Anklage "die Familienehre gekränkt worden war".

Gemeinsam sollen die fünf Angeklagten in Mafia-Manier einen Plan für einen "Denkzettel" geschmiedet haben, fuhren dazu am 24. Jänner zum Wohnort dreier Kontrahenten nach Vösendorf. Von dort verfolgten die Angreifer das Auto der späteren Opfer bis zum Supermarkt, schnappten sich Holzlatten, eine Eisenstange und einen Schlagstock aus dem Kofferraum und prügelten auf das Opfer ein.

"Schlagt ihn mit den Stangen auf den Kopf, umso fester, umso besser", soll der Clan-Boss – er erschien ganz in weiß gehüllt – geschrien haben. Angeblich fiel sogar der Satz: "Holt das Messer raus, der lebt ja noch". Die Bilanz der Brutalo-Attacke war heftig: Gehirnerschütterung, Prellungen, Hämatome beim Opfer und dessen Freundin und eine weitere Freundin. "Nur weil Zeugen die Polizei riefen, passierte nicht mehr", so die Staatsanwältin, bis zu zehn Jahren Haft drohte.

Auch vor Gericht kam es zwischen den verfeindeten Familien zu Scharmützeln, um die begrenzten Plätze im Zuschauerraum wurde lautstark gestritten. Doch den Wiener Anwalts-Legenden Werner Tomanek, Peter Philipp sowie den nicht weniger versierten Strafrechts-Gurus Andreas Reichenbach und Michael Dohr gelang es im Verbund mit Richter und Staatsanwältin für Ruhe im Saal zu sorgen.

"Es tut uns leid", brachten die Verdächtigen über die Lippen, verteilten insgesamt 8.000 Euro in bar auf die drei Opfer. Am Ende gab es ein Urteil, mit dem alle leben konnten: Freispruch für die von Werner Tomanek verteidigte Frau – sie sei angeblich nicht dabeigewesen – und je 30 Monate teilbedingte Haft (10 Monate unbedingt) für die männliche, schlagkräftige Verwandtschaft – rechtskräftig.

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