Prozess nach Spreng-Serie

Bankomat-Sprenger: Helfer organisierte Flucht der Täter

Die Bankomat-Sprenger hielten Wien monatelang in Atem. Jetzt wurde ein mutmaßlicher Helfer zu sieben Jahren Haft – nicht rechtskräftig – verurteilt.
Christoph Weichsler
08.04.2026, 13:55
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Explosionen mitten in der Nacht, zerstörte Bankomaten, flüchtende Täter – die Serie von Sprengungen versetzte Wien über Monate in Alarmbereitschaft. Insgesamt werden der Bande rund 14 Coups allein in der Hauptstadt zugeschrieben. Am Mittwoch (8. April) wurde nun am Wiener Landesgericht ein zentrales Kapitel aufgearbeitet: Ein mutmaßlicher Helfer stand vor Gericht – und wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt – berichtet die APA.

Der Prozess lief unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ab. Im Zentrum: ein 27-jähriger Algerier, dem die Staatsanwaltschaft vorwarf, die Täter im Hintergrund massiv unterstützt zu haben. Gleich zu Beginn machte der Staatsanwalt klar, wie wichtig seine Rolle gewesen sein soll: Er habe der Bande "viel geholfen". Das Gericht folgte dieser Einschätzung – das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Versteck, Flucht – und Hilfe für angeschossenen Täter

Die Vorwürfe wiegen schwer. Der 27-Jährige soll der Bande eine Wohnung in Wien-Donaustadt zur Verfügung gestellt haben – als Rückzugsort nach den Sprengungen. Außerdem habe er Fluchtfahrzeuge organisiert, darunter E-Roller und Mietautos.

Besonders brisant wurde es bei einem Detail aus den Ermittlungen: Nach einer Sprengung wurde ein Täter von der Polizei angeschossen. Während ein Komplize festgenommen wurde, konnte der Verletzte flüchten – und rettete sich laut Anklage genau in diese Wohnung. Dort sei er versorgt, umgezogen und schließlich "reisefertig gemacht" worden. Kurz darauf setzte er sich ins Ausland ab.

Angeklagter räumt Teile ein

Vor Gericht zeigte sich der 27-Jährige teilweise geständig. Er habe die Wohnung vermietet und Kontakte vermittelt – angeblich nur wegen des Geldes. Rund 5.000 Euro soll er kassiert haben. Als er erkannt habe, mit wem er es zu tun habe, habe er die Männer hinausgeworfen, behauptete er. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Doch damit nicht genug: Zusätzlich wurde er auch wegen Drogenhandels schuldig gesprochen. Er gab zu, größere Mengen Kokain und Cannabis verkauft zu haben.

Freispruch für zweiten Angeklagten - aber Haft

Mitangeklagt war ein 34-jähriger Österreicher. Er bestritt jede Beteiligung an den Sprengungen – und kam damit durch: Das Gericht sprach ihn in diesem Punkt frei.

Ganz ohne Strafe blieb er dennoch nicht. Wegen schweren Betrugs – er hatte trotz regelmäßiger Casinobesuche Notstandshilfe bezogen – wurde er zu 15 Monaten unbedingter Haft verurteilt. Der Prozess zeigt, wie organisiert die Bankomat-Bande vorging – und dass hinter den Explosionen ein ganzes Netzwerk stand.

{title && {title} } CW, {title && {title} } 08.04.2026, 13:55
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