Zwei Baroninnen der berühmten Rothschild-Dynastie stehen sich in einem erbitterten Erbstreit gegenüber: Die 93-jährige Nadine de Rothschild hat nun vor dem Genfer Gericht eine Niederlage erlitten. Sie darf das Schloss Pregny bei Genf, oberhalb des Genfersees, nicht mehr betreten. Ihre Schwiegertochter Ariane de Rothschild (59) und deren vier Töchter verweigern ihr den Zugang. Im Zentrum des Konflikts steht eine millionenschwere Kunstsammlung mit Gemälden, Möbeln und Objekten aus der Renaissance, wie "24heures" berichtet.
Die Sammlung befindet sich im Schloss. Ihr Wert dürfte sich auf mehrere Hundert Millionen Franken belaufen. Nadine de Rothschild will ihre Anteile öffentlich in einem Museum ausstellen. Ariane und ihre vier Töchter lehnen eine Aufteilung oder Ausstellung der Kunstwerke ab.
Der Streit begann demnach nach dem Tod von Benjamin de Rothschild, Sohn von Nadine und Ehemann von Ariane. Er starb im Jänner 2021 mit nur 57 Jahren in Pregny. Mit seinem Tod änderte sich die Erbfolge. Benjamin hätte fast das gesamte Familienvermögen geerbt – laut Schätzungen zwischen 1 und 5 Milliarden Euro. Weil er jedoch vor seiner Mutter starb, wird nun zwischen Nadine und Ariane um das Erbe gestritten. Ariane vertritt dabei auch die Interessen ihrer vier gemeinsamen Töchter mit Benjamin.
Kurz nach dem Tod ihres Sohnes habe Nadine ihre Schwiegertochter um Zutritt zum Schloss gebeten, um Gegenstände zu inventarisieren. Sie betrachtet sie als ihr Eigentum. Ariane habe nicht darauf reagiert. Am 19. Mai 2021 seien Nadines Vertreter beim Schloss erschienen, doch ihnen sei der Zugang verweigert worden. Nadine habe danach ein formelles Hausverbot kassiert. Medikamente und Briefe seien ihr über das Tor gereicht worden. Das bestätige ein aktuelles Urteil der Genfer Justiz.
Daraufhin habe Nadine de Rothschild geklagt. Sie habe freien Zugang zum Schloss gefordert. Dieses gehört offiziell dem Kanton Genf, wurde aber 1957 der Familie Rothschild unter der Bedingung überlassen, es weiterhin bewohnen zu müssen.
Am 17. Juni 2023 entschied das Gericht: Nadine hat keinen Anspruch mehr auf die Nutznießung des Hauptgebäudes. Sie darf lediglich wieder in das kleinere Nebengebäude, in dem sie früher lebte. Dieses steht laut aktuellen Fotos leer und ist stark heruntergekommen, berichtet "24heures" weiter.
Damit ist auch Nadines Plan vorerst gescheitert, in Pregny ein öffentliches Museum zu eröffnen. Bereits im Juli 2021 gründete sie dafür die Stiftung Edmond und Nadine de Rothschild. Die Leitung übernahmen ihr Anwalt und ihr Vermögensverwalter, beide langjährige Vertraute. Ihr Ehemann Edmond war 1997 gestorben.
Das Verhältnis zwischen den beiden Baroninnen soll dermaßen zerrüttet sein, dass Nadine nicht an der Beerdigung ihres Sohnes teilgenommen habe. Ob aus persönlichen Gründen oder wegen Ariane, habe sie nicht kommentiert. Ariane de Rothschild führe heute die Geschäfte des Rothschild-Konzerns im Finanz- und Luxusbereich.
Ob die Sammlung je öffentlich zu sehen sein wird, bleibt unklar. Solange die beiden Baroninnen sich nicht einigen, bleibt das Schicksal des Kunstschatzes offen.