Mit der Klimakrise steigen auch die Temperaturen in den Städten dramatisch an - und mit ihnen die Zahl der Todesopfer. Rund eine halbe Million Menschen sterben jedes Jahr an extremer Hitze, berichtete Inger Andersen, Chefin des UNO-Umweltprogramms (UNEP), bei der Weltklimakonferenz in Belém (Brasilien).
Gemeinsam mit Gastgeber Brasilien warb UNEP dort für die globale Initiative "Beat the Heat" (dt. "Bezwinge die Hitze"). Ziel: Städte sollen widerstandsfähiger gegen Hitzewellen werden - vor allem für arme Bevölkerungsgruppen, die oft keinen Zugang zu Kühlung haben. Bereits 185 Städte weltweit - darunter Rio de Janeiro, Jakarta und Nairobi - machen mit.
Insgesamt beteiligen sich 72 Länder, die bis 2050 die kühlungsbedingten Emissionen um über 60 Prozent senken und gleichzeitig nachhaltige Kühlung für alle ermöglichen wollen.
"Beat the Heat" setze nicht auf mehr Klimaanlagen, betont Andersen: "Die würden nur mehr Energie verbrauchen und zusätzliche Treibhausgase freisetzen." Stattdessen geht es um intelligente Bauweisen, natürliche Beschattung, grüne Dächer und Bäume, die ganze Stadtviertel kühlen können.
Laut UNEP wird die Zahl der armen Stadtbewohner, die gefährlicher Hitze ausgesetzt sind, bis 2050 um 700 Prozent steigen. Andersen fordert daher, Kühlung müsse als "unverzichtbare Infrastruktur" gelten - genauso wichtig wie Wasser, Strom und sanitäre Versorgung. "Kühlung rettet Leben und sichert den Betrieb von Wirtschaft, Schulen und Krankenhäusern", so Andersen.
Städte trifft die Hitze besonders stark: Der sogenannte Wärmeinseleffekt lässt die Temperaturen dort um bis zu zehn Grad höher steigen als im Umland. Andersen warnte: "Extreme Hitze ist das deutlichste und tödlichste Anzeichen der Klimakrise." Die UNO-Initiative will den Trend umkehren - mit smarter Stadtplanung und mehr Grün statt Klimaanlagenflut.