Für Reisende und Pendler beginnt zwischen Spanien und Gibraltar eine neue Ära. Seit Dienstag können Menschen und Waren den Grenzübergang ohne die bisherigen Kontrollen passieren. Damit endet ein System, das mehr als ein Jahrhundert Bestand hatte.
Die rund einen Kilometer lange Grenzbarriere aus Metall wurde 1908 errichtet. Ihr Abbau soll noch in dieser Woche beginnen. Spaniens Außenminister José Manuel Albares sprach von einem "historischen" Ereignis. Er erklärte zudem, erstmals seit drei Jahrhunderten würden sich beide Seiten "die Hände reichen".
Möglich wurde die Öffnung durch ein Abkommen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien, das im Februar vereinbart wurde und nun in Kraft getreten ist. Gibraltar wird künftig enger an den Schengen-Raum sowie an neue Zollregelungen mit der EU angebunden. Passkontrollen gibt es nur noch am Flughafen und im Hafen des britischen Überseegebiets.
Besonders profitieren sollen die mehr als 15.000 Menschen, die täglich zwischen der spanischen Grenzstadt La Línea de la Concepción und Gibraltar pendeln. Sie mussten bisher oft stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen.
Eine von ihnen ist die spanische Arzthelferin Consuelo, die seit 30 Jahren in Gibraltar arbeitet. Sie schilderte ihre Erfahrungen im Fernsehsender RTVE: "Ich musste auch schon drei, vier Stunden warten, an manchen Tagen sogar länger, bis zu sieben Stunden. Die Tortur hat endlich ein Ende."
Der langjährige Streit um Gibraltar ist damit allerdings nicht beendet. Spanien betrachtet das Gebiet weiterhin als "Kolonie" und als illegal besetztes Territorium. An der Frage der Souveränität ändert das neue Abkommen nichts.
Auch die britische Regierung betont diesen Punkt. Eine Sprecherin von Premierminister Keir Starmer erklärte: "Das Abkommen sichert langfristig den Personen- und Warenverkehr über die Grenze, während es die Souveränität des Vereinigten Königreichs und Gibraltars verfassungsrechtliche Position schützt."
Der Konflikt reicht Jahrhunderte zurück. Großbritannien übernahm Gibraltar 1704, Spanien trat das Gebiet 1713 im Frieden von Utrecht ab. Während der Diktatur von Francisco Franco wurde die Grenze 1969 vollständig geschlossen. Erst 1982 durften Fußgänger sie wieder passieren, drei Jahre später wurde sie auch für den Fahrzeugverkehr geöffnet.