Junge Wanderer in Bergnot

Bergretter schlagen Alarm: "Viele haben null Erfahrung"

Immer mehr Junge geraten in den Bergen in Not. Bergretter warnen vor Selbstüberschätzung, falscher Vorbereitung und dem Einfluss von Social Media.
06.11.2026, 11:38
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Die Bergrettung ist derzeit besonders gefordert. Erst Ende Oktober ließen zwei junge Bergsteiger einen Freund bei winterlichen Bedingungen am Hochkönig zurück. Der Mann musste in einer 14-stündigen Aktion gerettet werden.

Anfang November kam es auf der Zugspitze zu einem ähnlichen Vorfall: Ein 21-Jähriger ließ seine 17-jährige Freundin am Berg zurück. Sie konnte unverletzt geborgen werden. In beiden Fällen ermittelt die Alpinpolizei.

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Für Robin Lutnig, Leiter der Bergrettung Ehrwald in Tirol, werfen solche Einsätze Fragen auf. Er frage sich, "ob es sein muss, solche Touren im Winter zu machen", sagt er zur "Kleinen Zeitung". Manchmal habe er den Eindruck, dass manche die Bergrettung als eine Art "Back-up-Plan" betrachten.

70 Prozent mehr Menschen in Bergnot

Die Zahlen zeigen, wie angespannt die Situation ist. Laut Österreichischem Kuratorium für Alpine Sicherheit gerieten heuer bereits 1.123 Menschen unverletzt in Bergnot. Das sind 70 Prozent mehr als 2017.

Besonders häufig sind jüngere Menschen betroffen. "Wir haben viele Einsätze junger Menschen, die noch keine Erfahrung haben", berichtet Lutnig der Kleinen Zeitung. Vielen sei nicht bewusst, welchen Gefahren sie sich aussetzen.

Social Media als gefährliches Vorbild?

Die Bergretter vermuten, dass auch Instagram und andere soziale Netzwerke eine Rolle spielen könnten, berichtet die "Kleine Zeitung". "Es wird fotografiert und gezeigt, wie cool es auf dem Berg ist. Viele junge Menschen wollen das dann auch machen, obwohl sie teils null Erfahrung haben", sagt Florian Kainrath, Leiter der Bergrettung Eisenerz.

Ob Social Media tatsächlich für mehr Notfälle verantwortlich ist, lässt sich laut Lutnig allerdings nicht belegen.

Im Tal Herbst, am Gipfel Winter

Besonders tückisch ist derzeit das Wetter. Während im Tal noch angenehme Herbsttemperaturen herrschen, können auf den Bergen bereits tief winterliche Bedingungen warten. Schnee, vereiste Wege und plötzliche Wetterumschwünge machen selbst bekannte Routen gefährlich. "Die Grundplanung basiert bei den meisten auf Sommerwetter", warnt Lutnig.

Wer im Herbst oder Winter auf einen Berg steigt, sollte deshalb die tatsächlichen Bedingungen entlang der gesamten Route berücksichtigen und rechtzeitig umkehren, wenn es zu gefährlich wird.

"Wir bewerten nicht, wir retten"

Trotz der teils riskanten Entscheidungen der Wanderer steht für die Bergretter eines fest: Sie helfen, ohne Vorwürfe zu machen. "Wir bewerten nicht, wir retten", betont Kainrath, der seit 25 Jahren bei der Bergrettung tätig ist.

Auch für die Einsatzkräfte können solche Rettungsaktionen gefährlich und kräftezehrend werden. Deshalb müsse man Risiken ständig neu einschätzen und notfalls einen anderen Weg finden oder abwarten. "Wenn es gefährlich wird, brauche ich einen Plan B", erklärt Kainrath gegenüber der "Kleinen Zeitung". Denn auch die Sicherheit der freiwilligen Retter dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden.

red, 06.11.2026, 11:38
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