Jahrelang wurden in mehreren britischen Städten Mädchen von organisierten Tätergruppen missbraucht, vergewaltigt und ausgebeutet. Nun sorgt ein neuer offizieller Bericht für politischen Sprengstoff auf der Insel.
Die frühere Spitzenbeamtin Louise Casey hat im Auftrag der Regierung untersucht, wie Behörden mit den Fällen umgegangen sind. Ihr vernichtendes Fazit: Polizei, Jugendämter und andere staatliche Stellen hätten vielfach versagt. Warnsignale seien übersehen, Hinweise nicht ausreichend verfolgt und Opfer zu oft im Stich gelassen worden.
Im Zentrum stehen sogenannte "Grooming Gangs" – Gruppen von Männern, die Jugendliche gezielt manipulierten, bevor es zu schwerem sexuellem Missbrauch kam. Besonders bekannt wurden Fälle in Städten wie Rotherham, Rochdale und Telford. Bereits frühere Untersuchungen hatten dort tausende Opfer dokumentiert.
Brisant ist vor allem ein Punkt des neuen Casey-Berichts. Demnach wurden wichtige Daten über Täter oft gar nicht erfasst. Gleichzeitig kritisiert die Autorin, dass manche Behörden aus Angst vor Rassismusvorwürfen heikle Fragen zur Herkunft einzelner Tätergruppen nicht ausreichend untersucht hätten.
Der Bericht hat nun auch die Politik unter Druck gesetzt. Premierminister Keir Starmer hatte sich bisher gegen eine neue landesweite Untersuchung ausgesprochen. Nach Veröffentlichung der Ergebnisse vollzog seine Regierung jedoch eine Kehrtwende. Jetzt soll eine nationale Inquiry mit weitreichenden Befugnissen eingesetzt werden.
Die Debatte spaltet Großbritannien. Während Opferverbände seit Jahren umfassende Aufklärung fordern, warnen Kritiker davor, die Verbrechen für politische Zwecke in der Migrationsdebatte zu instrumentalisieren. Einig sind sich jedoch viele Beobachter in einem Punkt: Das Versagen der Behörden muss lückenlos aufgearbeitet werden.