Das irische Parlament, der Dáil, hat mit 86 zu 70 Stimmen beschlossen, die bisher vorgeschriebene dreitägige Wartefrist vor einem Schwangerschaftsabbruch abzuschaffen. Der Vorstoß stammt von der Partei Sinn Féin.
Bislang mussten Frauen nach einem ersten Arztgespräch drei Tage warten, bevor ein Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche durchgeführt werden durfte. Der Gesetzentwurf soll nun weiter im Gesundheitsausschuss behandelt werden. Auch Premierminister Simon Harris und Vizepremier Micheál Martin stimmten für die Änderung.
Die Regierungsabgeordneten hatten eine freie Abstimmung. Die irische Rundfunkanstalt RTÉ berichtete, dass einige Regierungsmitglieder gegen die Vorlage stimmten, darunter auch die Ministerin für Kinder, Norma Foley.
Sinn Féin-Chefin Mary Lou McDonald begrüßte die Entscheidung und sprach von einem wichtigen Schritt für die Gesundheitsversorgung von Frauen. Sie sagte: "Dies ist ein bedeutender Fortschritt und eine der wichtigsten Änderungen seit der Aufhebung des 8. Verfassungszusatzes."
Kritik kam unter anderem vom Vorsitzenden der Partei Aontú, Peadar Tóibín, der meinte, in der Bevölkerung bestehe kein Wunsch, die Frist abzuschaffen. Auch der Fine-Gael-Abgeordnete Peter Roche verwies darauf, dass viele Frauen in dieser Zeit ihre Entscheidung noch einmal überdenken würden.
Die Labour Partei forderte die Regierung auf, sämtliche Empfehlungen der Expertin Marie O’Shea aus ihrer Überprüfung des Abtreibungsrechts von 2022 umzusetzen. Dazu gehören unter anderem die Abschaffung strafrechtlicher Sanktionen für Ärzte und die Streichung der sogenannten 28-Tage-Regel, wonach ein Abbruch nur erlaubt ist, wenn zwei Ärzte eine schwerwiegende Erkrankung des Fötus feststellen, die binnen 28 Tagen nach der Geburt zum Tod führen würde.