Bereits seit Jahren versucht die Tierschutzorganisation Vier Pfoten einen der letzten Restaurantbären Sloweniens in den Bärenwald Arbesbach zu bekommen, doch sein Besitzer möchte ihn nicht aufgeben. Immerhin gehört Braunbär "Tim" zu den Highlights des kleinen Privatzoos, der einfach nicht artgerecht ist. Bisher durfte sich das Tierschutzteam zumindest immer wieder ein Bild von "Tims" Gesundheitszustandes, doch der letzte Termin platzte, weil Vier Pfoten das Areal plötzlich nicht betreten durften.
"Tim zeigte stereotype Verhaltensweisen, ein Anzeichen von Stress bei Bären in Gefangenschaft. Er lief ständig auf und ab und presste seinen Körper gegen die Gitterstäbe. Das ist kein Wunder: Er lebt in einem kleinen, größtenteils aus Beton bestehenden Gehege, mit lediglich einem Holzstamm und einem Ball als Beschäftigungsmaterial. Für Menschen wäre dies vergleichbar damit, ihr ganzes Leben lang in einem leeren Raum eingesperrt zu sein. Um sein Wohlbefinden zu verbessern, empfehle ich seine dringende Umsiedlung in ein naturnahes und großes Gehege in einem Schutzzentrum", sagt Johanna Painer-Giger, Wildtierärztin an der Veterinärmedizinischen Universität Wien nach ihrem Besuch.
Im Bärenwald haben die Petzis jetzt endlich ein schönes Leben! Hoffentlich kann sich "Tim" doch noch dazu gesellen:
2022 musste "Tim" bereits vom Vier Pfoten Tierarzt behandelt werden, da er mit offenen und infizierten Wunden übersät war. Mittlerweile soll er jedoch bereits etwas vom Übergewicht verloren und auch sein Gesamtzustand soll sich verbessert haben. Allerdings kann man dies jetzt eben nicht medizinisch überprüfen, wenn der Zutritt verwährt wird.
"Die Weigerung, uns Zugang zu Tim zu geben, ist zutiefst beunruhigend. Wenn der Zoobesitzer darauf besteht, dass es Tim so gut geht, warum lässt er ihn uns nicht sehen? Wir machen uns große Sorgen um ihn und appellieren dringend an seinen Besitzer, ihm endlich die Chance auf ein würdevolles, bärengerechtes Leben zu geben. Im Bärenwald Arbesbach erwartet ihn ein geräumiges, waldähnliches Gehege und spezialisierte Pfleger, Tierärzte und Verhaltensforscher, die sich Tims Wohlbefinden ganz gezielt widmen können", sagt Patricia Tiplea, verantwortlich für Tierrettungen bei Vier Pfoten.
Das für Tim vorbereitete Gehege erstreckt sich über 3.500 m² und bietet eine naturnahe Umgebung mit Bäumen, Sträuchern, mehreren Höhlen und einem großen Teich, das auch für ältere Bären leicht zugänglich ist. Tim würde individuelle Pflege, eine artgerechte Ernährung und regelmäßige Beschäftigungsmöglichkeiten erhalten, um ihn geistig und körperlich fit zu halten. Diese Umgebung würde ihm ermöglichen, sein natürliches Bärenverhalten auszuleben, wie Baden, sich an Bäumen reiben und Höhlen graben.
Nicht nur die Bedingungen, unter denen Tim lebt, sind inakzeptabel. Das Verhalten des Besitzers ist grob fahrlässig. So war in einem kürzlich ausgestrahlten TV-Bericht zu sehen, wie Jože Rožmanec "Tim"in seinem Gehege fütterte, also direkten Kontakt zu ihm hatte, während die Tür zu seinem Käfig offenstand. Dieses Vorgehen widerspricht geltenden Tierschutz- und Sicherheitsstandards, denen zufolge Tierpfleger unter keinen Umständen ein Gehege, in dem sich ein Wildtier befindet, betreten oder direkt mit ihm interagieren sollten.
"Ein solch direkter Umgang mit einem Bären zeugt von grober Verantwortungslosigkeit und unprofessionellem Verhalten. Solche Handlungen gefährden sowohl Herrn Rožmanec als auch Zoobesucher und beeinträchtigen Tims Wohlbefinden. Ein direkter Kontakt zu Bären kann zu schweren oder sogar tödlichen Verletzungen führen und ist zudem für das Tier unnatürlich und daher äußerst stressig", so Patricia Tiplea.