Tom Putzgrubers privates Auto und der Transporter seines Vereins "RespekTiere" wurden in der Nacht mit einer ätzenden Flüssigkeit überschüttet. "Von vorne bis hinten", wie er im Gespräch mit "Heute" schildert. Der Lack ist beschädigt, teilweise regelrecht abgelöst, auch die Lichter sind zerstört. Es ist ein Bild der Verwüstung – und ein Schaden, der in die Zehntausende Euro geht.
Putzgruber reagiert nach dem Fund sofort und verständigt die Polizei. Eine Anzeige gegen Unbekannt wird aufgenommen, die Polizei begutachtet am Vereinsstandort in Bergheim (Salzburg) die beiden Fahrzeuge, die Schaden vom Vandalismus tragen. Laut erster Einschätzung der Polizei dürfte es sich bei der Flüssigkeit um Bremsflüssigkeit oder ein ähnliches Arbeitsmittel handeln.
"Die Autos sind 15 und 17 Jahre alt, ich habe keine Haftpflichtversicherung mehr darauf", sagt er. "Ich werde wohl selbst dafür aufkommen müssen. Wieder", so Putzgruber. Denn dieser Angriff ist kein Einzelfall.
Tatsächlich spricht Putzgruber vom mittlerweile sechsten Angriff in den vergangenen 15 Jahren. Immer wieder wurden Fahrzeuge des Vereins beschädigt, Scheiben eingeschlagen, der Autolack zerkratzt oder die Windschutzscheibe mit Farbe übergossen – nicht nur in Salzburg, sondern auch in Linz und Wien. Konsequenzen für die Täter gab es bislang keine.
Dass sich die Aggression nicht nur gegen Gegenstände richtet, zeigt ein weiterer Vorfall noch am selben Tag. Nur Stunden nach der Vandalismus-Anzeige veranstaltet "RespekTiere" am Karsamstag eine Protestaktion vor dem Salzburger Dom. Dabei wird provokant ein christlicher Kreuzzug vorgeführt, es wird auf das Leid von Tieren in der Fleischindustrie hingewiesen. Tom Putzgruber inszeniert sich in blutverschmierten Jesusgewändern mit Dornenkrone.
Hier kommt es erneut zu einer Eskalation. Während des Auftritts läuft ein Mann mit offener Wasserflasche auf Putzgruber zu und leert eine Flüssigkeit über ihn. "Ich war geschockt und wütend, ich war in Gedanken noch immer bei den verätzten Autos. Im ersten Moment wusste ich auch nicht, ob die Flüssigkeit, die er auf mir verschüttet, nicht auch Säure ist!", erinnert sich Putzgruber gegenüber "Heute". Erst danach stellt sich heraus, dass es sich wohl um Alkohol gehandelt hat.
Putzgruber, der in Krems aufgewachsen ist und seinen Verein bereits 1982 gegründet hat, steht seit Jahrzehnten öffentlich für den Schutz von Tieren ein. "RespekTiere" zählt heute zu den aktivsten Tierschutzorganisationen in Österreich und Deutschland und organisiert regelmäßig Aktionen, die bewusst aufrütteln sollen.
Diese Sichtbarkeit bringt jedoch auch Aggression mit sich, wie die jüngsten Angriffe zeigen. "Immer wieder werden wir bei Protestaktionen körperlich angegriffen", sagt Putzgruber. Die jüngsten Vorfälle zeigen, dass die Hemmschwelle offenbar sinkt.
Im Verein versucht man dennoch, einen kühlen Kopf zu bewahren. Geplant ist die Installation von Überwachungskameras vor dem Vereinsgebäude, auch bei zukünftigen Demonstrationen sollen mobile Kameras mitlaufen.
Aufgeben ist für Putzgruber trotz der hasserfüllten Angriffe keine Option. "Wir lassen uns davon nicht unterkriegen", sagt er, "jetzt kämpfen wir erst recht weiter für den Tierschutz."
Im Mai plant der Verein eine Protesttour durch Wiener Neustadt, Baden und St. Pölten – dorthin, wo Schlachthöfe im Fokus stehen. Für Putzgruber ist klar: Der Druck mag größer werden. Sein Einsatz wird es auch.