Die Futtersuche wird für viele Landwirte zunehmend zum Problem. Der trockene Sommer hat deutliche Spuren hinterlassen: Heu, Stroh und Maissilage sind knapp. Um ihre Tiere durch den Winter zu bringen, müssen zahlreiche Landwirte auf Angebote aus dem Ausland zurückgreifen. Dabei erleben einige eine böse Überraschung.
Wie die Landwirtschaftskammer Oberösterreich (LK OÖ) berichtet, sind bereits rund 20 Landwirte auf schamlose Betrüger hereingefallen. Sie überwiesen das Geld im Voraus, warteten anschließend aber vergeblich auf ihre Bestellung. In anderen Fällen wurde zwar Futter geliefert, dieses entsprach jedoch nicht der vereinbarten Qualität.
Auch Bernhard Wagner aus Windhaag bei Perg (Bezirk Perg) machte Erfahrungen mit dem Futtermittelkauf im Ausland. Gemeinsam mit seinem Sohn suchte er online nach Heu, wie er dem ORF mitteilte. In Österreich sei kaum noch Ware erhältlich gewesen. Schließlich stieß die Familie auf einen Anbieter aus Kroatien. Die Verständigung erfolgte teilweise mithilfe von Übersetzungsprogrammen.
Eine Lieferung kam zwar an, zufrieden war die Familie mit dem Ergebnis allerdings nicht. Ein Teil des Heus sei nur noch als Einstreu verwendbar, erklärte Hofübernehmer Georg Wagner dem ORF. Besonders für Jungtiere sei hochwertiges Futter entscheidend.
Die Landwirtschaftskammer kennt inzwischen zahlreiche ähnliche Fälle. Betroffene bestellten Heu unter anderem in Deutschland, Kroatien, Tschechien und Polen. Während einige trotz Bezahlung überhaupt keine Lieferung erhielten, bekamen andere minderwertige Ware.
Für die Bauern ist die Situation besonders belastend: Sie verlieren nicht nur Geld, sondern müssen weiterhin dringend benötigtes Futter organisieren. Gerade mit Blick auf den Winter kann der Futtermangel zum zusätzlichen Problem werden.
Zwar können die Betroffenen Anzeige erstatten, doch die Aussicht, ihr Geld zurückzubekommen, ist gering. Sitzen die mutmaßlichen Betrüger im Ausland, gestaltet sich die Verfolgung besonders schwierig.
Die LK OÖ empfiehlt deshalb, bei Bestellungen über das Internet besonders genau hinzusehen. Landwirte sollten möglichst bei bekannten Verkäufern kaufen und das Heu nach Möglichkeit vor der Bezahlung selbst begutachten. Auch bei der Anlieferung sollten Menge und Qualität sorgfältig überprüft werden.
Michael Wöckinger von der Landwirtschaftskammer erklärt, dass es oft schwierig sei, Betrüger im Ausland ausfindig zu machen. Um die Suche nach verlässlichen Lieferanten zu erleichtern, soll die Futtermittelbörse der LK OÖ weiter ausgebaut werden.
Ab 2027 sollen dort zusätzlich Kontakte zu seriösen Futtermittelanbietern aus dem Ausland zu finden sein.