Seit Freitagabend kämpfen Feuerwehrleute gegen einen Großbrand in einem der bekanntesten Gebäude am Obersalzberg. Das Kehlsteinhaus hoch über Berchtesgaden steht in Flammen. Die Löscharbeiten dauerten auch am Samstagvormittag noch an.
Inzwischen gibt es eine neue Entwicklung bei den Ermittlungen: Ein Motorradfahrer, der nach Ausbruch des Feuers in der Umgebung festgenommen wurde, steht im Verdacht, den Brand verursacht zu haben.
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Ermittlerkreisen gibt es deutliche Hinweise darauf, dass der festgenommene Motorradfahrer das Feuer gelegt haben könnte. Die Kriminalpolizei Traunstein hat die Ermittlungen zur Brandursache übernommen.
Ob sich der Verdacht gegen den Mann bestätigt, ist noch offen. Eine Brandstiftung ist damit bisher nicht nachgewiesen. Über die Festnahme des Motorradfahrers hatte zunächst die "Bild"-Zeitung berichtet.
Der Brand wurde am Freitagabend bekannt. Laut Polizei trafen die ersten Einsatzkräfte um 21.52 Uhr beim Kehlsteinhaus ein und stellten einen Großbrand fest. Auch am Samstag um 11.45 Uhr waren die Löscharbeiten noch nicht abgeschlossen, wie ein Polizeisprecher gegenüber FOCUS online bestätigte.
Damit waren die Einsatzkräfte bereits seit mehr als neun Stunden mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt.
Besonders schwierig gestaltet sich der Zugang zur brennenden Berggaststätte. Das Kehlsteinhaus liegt auf 1.834 Metern Höhe. Die Anfahrt mit Feuerwehrfahrzeugen ist aufgrund der Lage des Gebäudes erschwert.
Zusätzlich können die Einsatzkräfte das Haus und seine unmittelbare Umgebung nur mit schwerer Atemschutzausrüstung betreten. Nach bisherigen Erkenntnissen dürfte bei dem Brand niemand verletzt worden sein. Laut Polizei befanden sich zum Zeitpunkt des Feuers keine Menschen im Gebäude.
Das Kehlsteinhaus wurde während der NS-Zeit errichtet und 1938 fertiggestellt. Es gehörte zu einem damals abgeschirmten Bereich am Obersalzberg, der von der nationalsozialistischen Führung genutzt wurde.
Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden beschreibt die ursprüngliche Funktion des Gebäudes so: "Erbaut 1937/38, sollte in der NS-Zeit das damals sogenannte Teehaus als politischer Repräsentationsort abseits der Öffentlichkeit dienen. Tatsächlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering."
Adolf Hitler empfing dort unter anderem Diplomaten und ausländische Gäste. Allerdings wurde das Haus nach Angaben des Zweckverbandes häufiger von anderen Mitgliedern der NS-Führung genutzt. "Viel häufiger nutzte es die am Obersalzberg versammelte NS-Entourage zur Erholung und für private Feiern."
Seit 1952 wird das Kehlsteinhaus als Berggaststätte betrieben. Bekannt ist es auch unter dem englischen Namen "Eagle's Nest". Eine Ausstellung im Gebäude beschäftigt sich mit seiner Geschichte während der NS-Zeit.
Laut Zweckverband hätte die diesjährige Saison noch bis zum 8. November dauern sollen. Wie schwer das historische Gebäude durch den Großbrand beschädigt wurde, ist derzeit noch nicht bekannt. Auch die Ermittlungen gegen den festgenommenen Motorradfahrer dauern an.